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Press lounge - Publications - Leistungssport - Kurzstreckenläufer Vectra B

Zu Beginn seines Opelaner-Lebens musste Marcel sich noch mit relativ geringer Leistung zufrieden geben. "Ich habe den Wagen 1998 im Serienzustand mit 1,8i-16V-Motor bei einem Opelhändler gekauft." Als Tuning-Fan stand bereits da fest, dass die keramikblaue Limousine optisch und technisch gepusht werden sollte. So besorgte sich der Bastler bald CR7-Felgen in 16-Zoll und einen Satz Tieferlegungsfedern, den er bald gegen ein KW-Gewindefahrwerk Variante II austauschte. 80 Millimeter vorne und 60 hinten sank die Limousine damit ab. Zusätzlich verbaute er verschiedene Styling-Kits. Dem Motor gönnte er einen Fächerkrümmer. Doch der Leistungshunger wurde dadurch nicht gestillt. Da der Markt aber damals wenig Zubehör für den Motor hergab, entschied Marcel, einen aufgemotzten 2-Liter-16V zu implantieren.

War der Wolkenburger mit der Power des Vectra soweit zufrieden, begann er nun an der Optik rumzumäkeln. Kurz entschlossen verfeinerte der Schrauber die Frontansicht mit einer lrmscher-i30-Stoßstange, verpasste dem Heck eine Mattig-Schürze und verbaute MS-Design-Schweller. Auch dem Blech rückte er auf die Pelle. So arbeitete er Luftschlitze in den rechten Kotflügel ein, cleante das Heck und zog die Radläufe. Dadurch schuf er Platz für "Schmidt VN Line"-Felgen in 8,5 und 10x18 Zoll.

Das zufriedene Lächeln in Marcels Gesicht währte allerdings nur kurz. Und zwar bis ein Kumpel anno 2000 mit einem Opel vorfuhr, dem ein 2-Liter-16V-Turbo eingepflanzt worden war. "Da habe ich Blut geleckt", erinnert sich Marcel. Bald darauf werkelte auch unter seiner Haube ein aufgeladenes Triebwerk samt EDS-Phase 3, mit Frontera-Turbodiesel-Ladeluftkühler und auf Frontantrieb umgebautem F-28-Sechsgangge-triebe. Zusätzlich spendierte der 25-Jährige der Limo einen Eigenbau-Auspuff mit Renn-Kat und 75-mm-Abgaskrümmer sowie eine Vectra-A-Turbo-Bremsanlage.

Über die Saison 2001 fuhr Marcel den Opel gewissermaßen Probe. Im folgenden Winter beseitigte er dann die Mängel des Umbaus. "Der Motor wackelte ständig in der Aufhängung", erinnert er sich. Also besorgte sich der Schrauber einen vierten Halter vom Passat-V6 und schweißte ihn an. Weiteres Problem: Das Triebwerk überhitzte, wenn der Tuning-Freak ihm die Sporen gab. Bei der Motor Show in Essen fand Marcel die Lösung in Form einer Zubehör-Hutze für einen Toyota Celica. Seitdem er das Teil in seiner Motorhaube implantiert hat, bekommt seine Maschine eine zusätzliche kühle Brise. Ein Calibra-16V-Wasserkühler sollte zusätzlich die Betriebstemperatur auf normalem Pegel halten. Außerdem besorgte sich der Schrauber aus einem Mercedes-Actros-LKW einen fetten Ladeluftkühler. Und weil sich wegen Marcels straffen Fahrstils die Turbo-Bremsen verabschiedet hatten, ersetzte er diese durch eine Mov'it-Bremsanlage mit gelochten Scheiben..

Endlich konnte Marcel seinen Vectra gnadenlos über den Asphalt jagen. Zumindest dachte das der Straßenbauer. Aber auf dem Rückweg von Wiechers, wo im Herbst 2002 ein Überrollkäfig angefertigt und eingebaut worden war, ging ihm bei einer Volllastbeschleunigung am Ende einer Baustelle der Motor hoch. Wieder zurück in der Garage, zerlegte Marcel den Motor und besah sich den Schaden: Wegen zu geringen Benzindrucks war es zu einer Überhitzung des Zylinderkopfes gekommen, in dessen Folge die Ventilführungen abgerissen und in den Motor gefallen waren. Marcel blieb nichts anderes übrig als die Ventilführungen und Ventile ersetzen zu lassen. Außerdem installierte er gleich eine größere Bosch-Benzinpumpe.

Zur Saison 2003 ließ er seinen Opel wieder zu. "Zwar war der Vectra das schnellste Auto in der Gegend, aber auf Beschleunigungsrennen bei Treffen sah ich, dass noch mehr ging", erinnert sich der Hobby-Rennfahrer. Im Winter parkte er seinen Opel wieder in der Garage, um zusätzlich Leistung und Sekunden für Kurz-Sprints herauszukitzeln. So verbaute er Porsche-Einspritzventile für größeren Spritdurchlass und einen großen "KKK 26"-Turbolader. Für eine bessere Traktion implantierte er eine Differenzial-Sperre, Leistungsverluste bei der Kraftübertragung sollte die Sachs-Sintermetall-Kupplung in Kombination mit einem Alu-Schwungrad verhindern. Dann stand die erste Probefahrt an.

Sie währte aber nur kurz: "Nach zehn Kilometern hat es einen Knall gegeben und einen Kolben auf die Straße geschossen", berichtet Marcel. Ein Pleuel hatte der geballten Power nachgegeben. Der Opel-Freak verfrachtete erneut seinen Wagen in die Garage und besorgte sich einen anderen Rumpf: "Im alten war ein Loch drin, da hätte ich bequem meinen ganzen Arm durchstecken können." Was brauchbar war vom alten Triebwerk - wie Ansaugbrücke und Kopf ("es hatte nur ein paar Ventile zerrissen") - verwendete der Tüftler weiter. Bei Motoren Frech in Limbach-Oberfrohna ließ er die Ansaugrohre polieren, den neuen Block auf rund 2,1-Liter Hubraum aufbohren und honen. Mahle-Übermaßkolben mit Stahl-Pleuel an einer polierter Kurbelwelle und eine Kolbenbodenkühlung über Spritzdüsen vom BMW-E36-M3 komplettierten das Motortuning.

Auf der Suche nach Zehntelsekunden für Sprintrennen befreite Marcel die Limo im Winter 2003/04 von überflüssigem Ballast - wie Teppich und Heizung - und ließ den Rüsselsheimer innen auslackieren. Die damals verbauten König-Sportsitze und Schroth-H-Gurten tauschte er gegen "Porsche GT 3"-Vollschalen und Sparco-Gurte aus. Außerdem montierte er im Innenraum ein 35er Wildleder-Lenkrad von Sparco und die Regler eines Bremsdruckregel-Systems fürs Heck: "Der Vectra ist durch die Gewichtsreduzierung hinten leichter geworden, wodurch ständig die Gefahr eines Ausbruchs des Hinterteils beim starken Abbremsen in Kurven herrschte", begründet Marcel den Einbau der Rallye-Sport-Komponente. Auch die Montage eines mächtigen Kerscher-Heckspoilers mit Karbon-Flügeln diente der Stabilisierung des Hinterteils. Eine Vielzahl von Zusatzinstrumenten rundete das Tuning ab. Auf den Anzeigen lassen sich unter anderem Ladedruck und Benzindruck bis hin zu Abgastemperatur und Ladelufttemperatur ablesen. So hat Marcel die Thermik des Motors stets im Auge. Und seitdem läuft der Motor eigentlich ohne Störungen.

Nur einmal musste der Tüftler die Maschine noch reparieren. Allerdings ruhte die Ursache nicht in einer Überhitzung. Die Befestigungsschraube einer Spannrolle hatte sich verabschiedet. Der Zahnriemen flog ab und ein paar Ventile schlugen auf einen Kolben. "Der hat aber nur ein bisschen abbekommen", klärt Marcel auf. Ich musste etwas Grad abschleifen - das war's." Hoffentlich endgültig.


Quelle: Flash Opel Scene Ausgabe 03/2005, S. 38ff