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Press lounge - Publications - Lady-Kracher - Königin im Corsa

Anita ist keine Frau, der man etwas vormachen kann. Die 23-Jährige hat ihr Corsa-Projekt von Beginn an selbst in die Hand genommen. Schon die Eltern waren auf die Rüsselsheimer fixiert. Ihr Ex-Freund hatte ebenfalls ein Faible für die Blitze, und so fiel die Wahl nicht schwer. 1998, noch vor ihrem 18. Geburtstag kam der 89er Corsa GSi ins Haus, allerdings ziemlich mitgenom-
men und ramponiert. "Ein echtes Bauernauto", berichtet Anita. Der Neuling unterzog sich einem Strip, wurde gegen Rost geimpft, erhielt eine neue Lackierung, Borbet-"T"-Felgen und ein H&R-Fahrwerk. Einigermaßen stolz kurvte die junge Zahnarzthelferin durch die Augsburger Umgebung.

Bis ihr neuer Partner Jochen dann dafür sorgte, dass man sich gemeinsam ausgiebig mit dem Corsa auseinandersetzte, zumal der Rost erneut auf sich aufmerksam machte. Anita strippte den Corsa ein zweites Mal, der sich bald splitternackt präsentierte. Edel und dezent sollte ihr kleiner Liebling werden. Ein Unterfangen, das nur teilweise gelingen sollte. Statt dezent zu wirken, strotzt der Kleine heute nur so vor Kraft und zeigt sie auch.

Zunächst galt es, die Karosserie zu entrosten und die hinteren Seitenteile der vorgesehenen breiteren Rad-Reifen-Kombination anzupassen. Der Original-Motor flog raus und die Spritzwand zum Teil gleich hinterher, denn Freund Jochen wollte seiner Anita ein ganz besonderes (Motoren-)Denkmal setzen. Aus einem 16V-E-Kadett verpflichtete er ein Zweil-Liter-Triebwerk für den neuen Einsatz, dem das Paar noch eine Lexmaul-RAM-Brücke und einen offenen Raceland-Luftfilter spendierte. So bringt der "Winzling" 160 PS auf die Rolle, die der freundliche Mann vom TÜV anstandslos in die Papiere eintrug. Diese Power will auch eingebremst werden, was mit innenbelüfteten Scheiben aus dem Kadett 16V (hinten mit Original-Trommeln) erledigt wird.

Stark war der Corsa nun, aber nach Anitas Geschmack fehlte noch einiges zu einer würzigen Auto-Mischung. Etwa ein schöner Sound, den die Bastuck-Gruppe-A-Edelstahl-Anlage nunmehr vermittelt. Und natürlich waren auch einige Schönheitsoperationen vonnöten. Während man vorne auf die Originalfront setzte und lediglich die Stoßstange glättete, kommt am Heck die Stoßstange aus der "Face-lift"-Sondermodellreihe zum Einsatz. Die Schlösser fehlen, und an der Heckklappe wurde die Kennzeichenmulde an die untere Kante verlegt. Ein Koni-Fahrwerk hielt Einzug, und über Ebay kam Anita günstig an die heißersehnten Schmidt-"TH-Line"-Felgen, deren Bett und Stern poliert wurden. Vergoldete Schrauben vervollständigen den optischen Genuss. Weiße Blinker und schwarze Rückleuchten runden die Veränderungen ab.

Nun noch schnell eine Farbe ausgesucht... von wegen schnell! Anita grübelte wochenlang, bis ihre Wahl auf ein Porsche-"Viola metallic" fiel. Sehr edel und sehr schön. Und weiter ging es mit der Restaurierung des Innenraums. Vom Facelift-Modell des Baujahres 1990 verbaute man ein Tip-Top-Cockpit. Pilotin und Beifahrer nehmen in FK-Halbschalen Platz und werden von Schroth-"Black in Black"-Hosenträgern festgezurrt. Die Pedalerie stammt aus einem Audi TT und ist ebenso ein Augenschmaus wie das 30er Raid "Thunder" und die Chromfensterkurbeln. "Nicht zu vergessen die Designer-Türgriffe", lacht Anita angesichts der Chromgriffe, die sie im Baumarkt gekauft und kurzerhand zweckentfremdet hat. Versteht sich fast von selbst, dass Türverkleidungen und Himmel beledert sind. Darüber hinaus ummantelten Anita und Jochen in mühevoller Kleinarbeit auch A-, B- und C-Säulen mit der Tierhaut. Im hinteren Bereich entledigte sich das Paar der Rückbank und implantierte lieber einen in Chromlack lackierten Wiechers-Bügel mit Kreuz und H-Strebe. Ein guter Tausch. Auf dem Boden fixierte Jochen eine zweigeteilte MDF-Platte, die einen Leder-Überzug erhielt. Dort ist die Musikanlage fein angerichtet. Im vorderen Bereich fand die McHammer-"Tornado 1200"-Endstufe Platz. Dahinter sind der 38er Stealth-Subwoofer, seitlich davon der 1-Farad-Kondensator platziert. Vorne sorgt ein Zwei-Wege-System von Sony, hinten ein Crunch-System dafür, dass die Töne des JVC-"KD LH 3101"-MP3-Players ans Ohr kommen.

Um das Getriebe unterzubringen, musste Sascha die Kardanwelle von Profis in Koblenz rund zwei, drei Zentimeter kürzen lassen, "sonst hätte die Hinterachse zuviel Druck abbekommen". Apropos Hinterachse: "Die habe ich komplett zerlegt, neu gelagert und mit Kunststoff beschichtet", erklärt der Schraubwütige. Außerdem habe er sie mit einer 75%-Sperre aus einem Rekord E Caravan sowie einem Differenzialhals aus Stahl und einem einstellbaren Panhardstab für hohe Kurvenstabilität ausgestattet. Gelbe Konis und HR-Federn, die den Opel vorn um 100, hinten um 85 Millimeter absenken, tragen ihr Übriges zu einer satten, sicheren Straßenlage bei. Doch kein Ritt ohne das richtige Zaumzeug: Beim Kadett vernichten vorne komplette Rekord-E-Bremsanlagen die Energie, hinten tun dies Scheiben vom Calibra 16V und Kadett-E-GSi-16V-Sättel, die an Commodore-2.8-Ankerplatten montiert sind.

"Mein Corsa ist mir ziemlich wichtig, dadurch bekommt man viele nette Kontakte", meint Anita. Und nicht nur das. Sie erhält auch Auszeichnungen, wie der dritte Platz in der Corsa-Wertung 2004 in Oschersleben beweist. Doch Stillstand ist der Feind des Guten, und so plant die Corsa-Fahrerin eine weitere Ausbaustufe. Das Kraftpaket soll noch mehr Muskeln bekommen und der Innenraum in hellem Leder erstrahlen. Vielleicht sind die Neuerungen schon auf den zahlreichen Treffen zu bewundern, die Anita und Jochen mit der "Fraktion Süd" in der kommenden Saison ansteuern.


Quelle: Flash Opel Scene Ausgabe 03/2005, S. 98ff