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Press lounge - Publications - NOS-GESCHOSS

Edelgass macht richtig Spass!


Mit seinem ersten gesparten Lehrgeld erfüllte sich Christian Kares den Wunsch, einen Calibra sein Eigen zu nennen. Leider währte die Freude nicht allzulange: Ein Wolfsburger überredete den Opel auf der Autobahn durch plötzliches Rausziehen zu einem Plankentitscher, der den Wagen massiv verkürzte. Ergo: Ein neuer Opel musste her. Und zwar auf jeden Fall wieder ein Calibra. So zumindest Christians Planung...

Mit der Tageszeitung in der Hand, klapperte der Schrauber aus Wetter im Februar '99 die inserierten Calibras ab. Aber nicht eines der angebotenen Fahrzeuge entsprach auch nur annähernd seinen Vorstellungen. Schließlich stieß Christian noch auf eine weitere Anzeige, die sich interessant anhörte - nur handelte es sich diesmal um einen Tigra, und der hatte dem Opelaner nie so wirklich gefallen. Aber noch ist Anschauen ja kostenlos. Kurzerhand besichtigte er den Wagen und fand prompt immer mehr Details, die ihm gefielen. Unter anderem die Steinmetz-Felgen hatten es Christian angetan. Auch seine Kollegen vom Opel-Club Woltrop e.V. sprachen sich für den etwas kleineren Rüsselsheimer aus. Und so waren bald alle Vorsätze zerstreut.

Im Sommer steuerte der gelernte Industriemechaniker so einige Treffen an - einfach mal, um zu sehen, was sich so alles aus einem Tigra machen lässt. Mit dem Kopf voller Ideen ging es dann im Winter an die Umsetzung der Pläne. Christian meldet den Wagen ab und brachte ihn zu seinem Vater in die eigene Werkstatt. Jetzt hieß es Teile besorgen! Günstig, dass gerade die Motor Show in Essen in vollem Gange war - wenn man da nichts findet, wo dann? Und Christian schleppte tatsächlich so einiges aus den Messehallen. Neben diversen Kleinteilen zum Beispiel auch einen Satz Schmidt-Felgen in der Dimensionen 7,5 und 9 x 16 mit Einpresstiefe 25 bzw 35. Bei einem ortsansässigen Reifenhändler ließ er sich Dunlop SP 2000 in 215/40 ZR16 auf die Alus aufziehen.

Montiert sah es schon toll aus, aber die Proportionen in den Radkasten stimmten einfach nicht. Die Lage war klar. Der Wagen musste zu Boden! Bei der Firma Sandtler in Bochum besorgte Christian sich ein Koni-Gewindefahrwerk. Wieder in Daddys Werkstatt angekommen, tauschte der Industriemechaniker gemeinsam mit seinem Freund Michael Hintze ("Sahnestück", flash 4/2000) alt und hoch gegen neu und tief. Um dem Motor auf die Sprünge zu helfen, wurden außerdem 264°-Risse-Nockenwellen, ein offener K&N-Luftfilter und einen Chip verbaut. Damit kam der Tigra schon recht flott aus den Schuhen. So richtig in Schrauberlaune, trat jetzt allerdings das erste Problem auf: Christians Vater war das ewige Basteln zuviel. Denn immerhin brauchte er auch Platz für seine Kunden. Was einleuchtete! Also schleppte Sohnemann den Opel zu Michael in die Garage, um dort die Arbeiten fortzufahren.

Auf dem Plan standen nun diverse Blecharbeiten an der Karosse. Nicht nur einen "bösen Blick" fertigte der Opelaner aus Blech, auch zwecks Verbreiterung der hinteren Radläufe schnitt er einige Streifen Metall zurecht. Das An- und Einschweißen übernahm Kumpel Lars Peuser, der sich auch beruflich mit diesem Thema beschäftigt. Erst als alle Anbauteile wie Spoiler, Seitenschweller und Schürze angepasst und montiert waren, trat der Tigra seine Reise zur Lackiererei an - und stand nach nur kurzer Zeit schon wieder zum Komplettieren in der Garage bereit.

Um sich auch im Inneren wohlfühlen zu können, flogen die Seriensitze raus und wurden durch EKU-Sportsitze ersetzt. Anschließend besorgte sich Christian graues und schwarzes Leder von Mercedes-Benz und verkleidete damit die Bestuhlung, sämtliche Seitenverkleidungen und Teile vom Kofferraum samt Ablage. Klar, dass auch eine satte Anlage nicht fehlen durfte. Ein PanasonicRadio mit Achtfach-Wechsler gibt nun die Signale an eine MagnatEndstufe weiter, die mit einem Magnat-Drei-Wege-System, einer PyleBasskiste und einem MB-QuartFrontsystem zwecks Verstärkung der Töne zusammenarbeitet. Als eigentlich geplanten Abschluss tauschte Christian noch das Seriensteuer gegen ein 32er-Raid-Airbag-Lenkrad und verzierte die Einstiege sowie Teile der Konsole noch mit ein wenig Alu. So ging es auf einige Treffen, um dort eventuell mal in die Verlegenheit zu kommen, sich einen Pokal zu verdienen. Was tatsächlich auch des öfteren der Fall war!

Dann kam der "Tag X": Christian und Michael lasen in einem Magazin von der tollen Sache mit dem Lachgas und waren direkt von dem Gedanken angetan, dieses in ihren Autos zum Einsatz zu bringen. Gemeinsam holten sie reichlich Informationen ein, bevor sie sich beide eine komplette Anlage in den USA bestellten. "Dort ist eine NOS-Anlage wesentlich günstiger als hier bei uns", so Christian. Mit dem Einbau gab es so gut wie keine Probleme: Die Flasche wurde auf der Rücksitzbank verstaut und der Schlauch Richtung Motorrauen verlegt. An der Stirnwand befestigte Christian jeweils ein Ventil für den Sprit und das Gas. Nun verpflanzte er noch die Düsen in die Ansaugbrücke und verkabelte die komplette Anlage mit einem Einschalter in der Mittelkonsole und einem Mikroschalter unter dem Gaspedal, der bei Vollgas den Kontakt schließt. Lediglich die richtige Bedüsung zu finden, war nicht so einfach - aber zum Glück gab es da Sylvio Strauch, Spezialist in Sachen Lachgas. Nach und nach schickte er verschiedene Düsen zum Testen. "Nach der zweiten Füllung Gas hatten wir dann das Optimum für meine kleine Rakete gefunden", freut sich Christian. Wollen wir hoffen, dass der Spaß mit dem Gas noch lange anhält!

Text & Fotos: Holger Stemmler

Quelle: FLASH 11/2002, S. 12