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Press lounge - Publications - Big Dimension

Es war schon immer der Wunsch von Manfred Schauer aus Osterreich, sich mit einem Kadett E auf den kleinen Bergstraßen seines Landes breit zu machen. Aber dass ihm teilweise die Zentimeter auf seiner Fahrbahnseite ausgehen würden, die er sich solange vom Gegenverkehr ausleihen muss, davon hätte er nicht mal zu träumen gewagt. Schon immer von der Rüsselsheimer Marke angetan, war es für Manfred mehr als selbstverständlich, nur Produkte mit Blitz zu fahren. Und um die Bergwelt bei schönem Wetter gänzlich genießen zu können, legte der gelernte Schlosser die zu fahrenden Kilometer "Open Air" zurück. Anfangs plante er noch, seinen 2.0-Liter-Kadett-E einiger Tuningmaßnahmen zu unterziehen. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als Manfred auf dem Heimweg bei einem Autohändler einen Mattig-Breitbau-Kadett-E sah. Mit Riesenaugen und offenem Mund leitete der damals 21-Jährige das Bremsmanöver ein, um den Hammer aus der Nähe unter die Lupe zu nehmen. Die Dimensionen des Fahrzeugs waren schon beeindruckend! Mit dicken Backen rundum und an der Hinterachse mit 345er-Walzen bestückt, wartete der Breitbau auf einen neuen Besitzer. Zwar beschäftigte sich der Opelaner mit dem Gedanken, dieses Prachtstück zu erwerben, aber eine innere Stimme meinte, er solle lieber noch etwas warten. Warum auch immer!

Vorne auf Pirelli in 255/45 ZR 15 unterwegs
Und schon ging die Quälerei los! Fünf Monate lang fuhr Manfred jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit sabbernd am mutierten Kadett vorbei. Bis er die Faxen im April 1999 dicke hatte und nach dem aktuellen Preis fragte - innere Stimme hin, innere Stimme her! Und siehe da, die ewige Warterei hatte sich gelohnt. Aus der Sicht des Verkäufers stand der Wagen schon viel zu lange auf dem Gelände. Also galt die Devise: jetzt oder nie! Manfred bekam einen Preis präsentiert, über den er nicht lange nachdenken musste. Ruckzuck war die Kohle am Start und der Opelaner um ein Auto reicher.

Natürlich denkt man in den ersten Monaten des Glücks noch nicht ans Tunen oder gar an zeitraubende Umbaumaßnahmen, die einen Stillstand des Kadetten, und somit das Aus des "Fahrspaßes" bedeuten würde. Also wurden erst einmal jede Menge Kilometer bis zur "Schlechtwettersaison" gesammelt. Pünktlich zur Winterzeit legte Manfred dann Hand an. Da der Lack nicht mehr im besten Zustand war, entschloss er sich, diesen Missstand zu ändern. Auf einem kleinen Parkplatz vor seinem Wohnhaus zerlegte er das halbe Auto. Alle Anbauteile, bis auf die hinteren genieteten und geklebten "Backen", schraubte der Schlosser ab und verfrachtete sie in seine Garage. Mit Schleifpapier ausgerüstet, rückte er dann den Teilen zu Leibe. Nach dem Anschleifen spachtelte Manfred kleinere Unebenheiten, um im Anschluss alle Stücke zu füllern. Das Gleiche blühte der Karosse. Da aber zu wenig Platz in der Garage war, erledigte der Österreicher diesen Akt auf dem Parkplatz vorm Haus. Lediglich die Spachtel- und Füllerarbeiten verlegte er in die Garage, um möglichst wenig Staub mit in den Lackiergrund zu bekommen. Anschließend verfrachtete Manfred den Opel in eine gemietete Lackierkabine, wo sein Freund Christian den Breitbau samt Anbauteile mit einem satten Schwarz überzog, bevor es wieder in die Garage ging, um den Wagen einsatzbereit zu bekommen.

Außerdem verbauten die Kumpels noch eine HiFi-Anlage vom Feinsten im Inneren des neu gelackten Kadett. Der Opelaner hatte sich sämtliche Komponenten von Rockford Fosgate besorgt. Darunter 2- und 3-Wege-Systeme, zwei 30er-Subwoofer, zwei Endstufen und das Steuerteil vom Typ RFX-9110. Verbaut und angeschlossen hielt die Anlage ein, was sie versprochen hatte: einen Klang wie im Konzertsaal! Wenige Wochen später stand der Kadett wieder für Ausfahrten bereit. Manfred war fast zufrieden mit dem Gesamtbild seines Boliden. Nur die verschraubten Felgen passten dem Opelfreak nicht mehr ins Konzept. Aber wo findet man auf die Schnelle Felgen in den Dimension 12x15 FJ-39! Also ab an die Tastatur und das Internet befragen. Bei ATS wurde er fündig. Allerdings gab's da einen geringfügigen Haken. Ein Mitarbeiter der Firma erklärte Manfred am Telefon, dass es zwar möglich wäre, die Felgen in diesen Dimensionen zu fertigen und zu liefern, aber er müsste dann 200 Stück ordern! Kurz die Summe im Kopf überschlagend ließ er dann von seinem Vorhaben ab.

Durch einen Zufall stieß er kurze Zeit später auf einen Händler, der Schmidt-Felgen in Österreich vertrieb. Mit dem abgegebenen Versprechen, sich um die Angelegenheit zu kümmern, meldete sich der Händler auch tatsächlich mit einer positiven Nachricht bei Manfred. Schmidt würde die Felgen anfertigen und, was noch viel schönerwar, zu einem absolut fairen Preis verkaufen. Schon ging die Bestellung von vier "Walzenträgern" im TH-Line-Design raus. Es vergingen zwar einige Wochen, bis die Lieferung eintraf, aber um so größer war die Freude beim Auspacken. Keine Freude hingegen hatte der Mitarbeiter der Reifenfirma, der die fetten Walzen umziehen müsste. Beim Wechseln der vorderen Pirelli-Pneus in 255/45 ZR 15 konnte man zwar noch ein verschwitztes Lächeln im Gesicht des Angestellten erblicken, was aber bei der Montage der 345er in 35 ZR 15 komplett verschwand. Bei Manfred hingegen machte sich ein Grinsen über das ganze Gesicht breit. Nun hatte der Wagen das gewünschte Aussehen erlangt, um auch bei Treffen in Sachen Show & Shine ganz vorne mit dabei zu sein. Den ein oder anderen Pokal hat er bei Veranstaltungen schon abgeräumt. Es könnten aber wesentlich mehr sein, wenn nicht jeder mögliche Besuch genauestens durchdacht werden müsste. Denn so schön die fetten Räderauch sind, sie haben einen gewaltigen Nachteil! Nach nicht ganz 12.000 Kilometern sind neue Reifen vonnöten. Und jede Saison knappe 2000 Büro für neue Pellen auszugeben, danach steht Manfred einfach nicht der Kopf.
Aber ein Auto in "Big Dimension" verschluckt auch in der Unterhaltung Taler in großer Dimension!

Quelle: Flash, Ausgabe 7/2004, Seite 22ff