Press lounge - Publications - Klassiker in modernem Kleid

Er ist ultratief, trägt seltenes Gelb und verzichtet ganz auf Flügel. Auf den
Treffen fragen sich viele Ist das derzeit der tiefste Manta? Das Besondere am
180 PS starken GSi: Andreas Gerlich hat ihm modernen Sport-Look verpaßt. Mit
cleaner Karosserie, dezent-schwarzem Innenleben und hinreißenden Dreiteilern
in 14 Zoll taugt dieser Tieflieger zum Trendsetter.
22 Jahre ist der gelernte Kfz-Mechaniker jung - und "Rochen-technisch"
durch seinen Bruder vorbelastet. Der fährt und schraubt seit zehn Jahren Manta,
was auch auf Andreas abfärbte. Zwei B-Modelle hatte er bereits hinter sich,
als er vor drei Jahren diesen 88er GSI exclusiv erwarb. Das Auto war vom Vorbesitzer
komplett umgebaut worden aber in ganz anderer Optik, anderem (Melonen-)Gelb,
mit anderem Interieur und 2,2-I-Motor. Andreas riß als erstes alle Spoiler runter
und stellte den Manta auf 8.1 x 15"-Revos. Der Schwabbacher leistete sich
eine Teillackierung, eine kräftig gelöcherte GFK-Haube und den noch heute verwendeten
Wiechers-Alukäfig. Dann besorgte er eine originale "Exclusiv"-Ausstattung.
So ging's auf Treffen, wo eine gute Freundschaft zu den Opel-Freunden Kochertal
entstand. Wer weiß, ohne den plumpen Annäherungsversuch eines C-Kadetten wäre
der Rüsselsheimer vielleicht noch eine ganze Weile in dieser Optik verblieben...
So aber nutzten Andreas und Bruder Jürgen den Heckschaden für
platzbringende Modifikationen. Jürgen stellte die neuen Seitenwände
gleich um drei Zentimeter pro Seite aus "ich wollt' sowieso auf neun
Zoll", erzählt Andreas. In die rechte "Flanke" paßte er
den Alutankdeckel von Friedrich Motorsport ein. Kofferraumboden, Heckblech
und Kofferdeckel wurden durch frische Bleche ersetzt. Beide
Stoßdämpferdome im Vorderwagen sind verschweißt. "Sag bitte meiner
Frauke 1000 Dank", bat Andreas beim Fototermin - der Rochenumbau
forderte die Geduld der Freundin. Der komplett zerlegte Wagen wanderte
schließlich fürs neue Farbkleid zum Lackierer.
Lange hatte Andreas gezögert. "Jägermeister" war ihm zu
dunkel, ein normales Gelb zu hell. Die Lösung blubberte in Gestalt einer
Corvette vorbei: "Radiant-Yellow" heißt die GM-Farbe, mit einem
Schuß mehr Orange beigemixt.
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| Ein Hit am Manta - dreiteilige Revo TH-Line. |
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Das Interieur wurde beim Zusammenbau komplett überarbeitet. Schwarz
dominiert - von den Tür- und Seitenverkleidungen über den (neuen)
Kunstlederhimmel bis zu König-Halbschalen mit speziellem Bezugsstoff.
Auch die Rückbank hat die Firma König mit diesem Material überzogen.
Der Alukäfig ist inzwischen poliert, und zwei VDO-Instrumente besetzen
die Frischluftdüsen. Ein Muß für modernen Sport-Style: das kleine
Lederlenkrad, hier ein 30er Momo-Team.
Den extremen Eyecatcher-Look verdankt Andreas' Coupe im Grunde einem Golf.
Dieser zeigte auf der Motor Show dreiteilige TH-Line von Schmidt her.
"Das fährt keiner auf 'nem Manta!" - Der angehende
Automobilkaufmann war begeistert. Kurz vor dem Fototermin waren die
Dimensionen der Revos auf wahrlich extreme 8,5J x 14" ET 1 und 9J
x14" ET minus 10 angewachsen! Mit 215/40 und 225/40-14 sind
ansprechend flache Sportgummis aufgezogen. Dazu natürlich die Tiefe!
"Die kurzen Dämpfer sind aus einer Koni-Sonderserie", sagt
Andreas. Dazu gibt's 80-mm-Mantzel-Federn. Obere Federteller und
Endanschläge wurden modifiziert. Um das Aufsetzen des Auspuffs auf
möglichst "spät" zu justieren, hat Andreas den Mitteltopf der
Jetex-Anlage abgeändert und die komplette Gr.-A-Anlage mit strafferen
Gummis etwas hochgedrückt. "Immerhin ist mein Motor nie in
Gefahr", grinst der Tief(f)lieger nach dem Bodenkontakt des Auspuffs
wären erstmal Rahmenträger und Querlenker dran...
Und der cih-Vierzylinder verdient es, geschützt zu werden. Der
2,2-1-Motor des Vorbesitzers wurde längst durch einen 2,4-I-cih von Bauer
Motorsport in Ottensoos ersetzt. Von einer feingewuchteten Kurbelwelle
über Irmscher-Sportkolben, speziellen Pleuellagern und 46/41 er Ventilen
bis zur 308°-Nockenwelle fehlt es dem Reihenmotor nicht an erlesenen
Zutaten. Den als Einspritzer gelieferten "Zwo-Vierer" baute
Andreas aber gleich auf 45er Weber-Vergaser samt Bilas-Luftsammelbox um.
Bei Frank Power ließ der Opelaner aus Bretzfeld die Doppelvergaser
richtig bedüsen. 178,8 PS bei 4460 U/min spuckte der Meßcomputer aus
-jetzt sollen mit einem anderen Nockenprofil zusätzliche Pferdestärken
mobilisiert werden. Optisch wirkt der gelborange Renner aus jeder
Perspektive aggressiv. Von hinten fallen die 9-Zöller, die Carbonblende
zwischen den Rückleuchten und das tiefergesetzte Kennzeichen auf. Die
Front hat Andreas mit "klassischen" Manta-Teilen verändert. Er
schnitt den großen GSi-Komplettstoßfänger auf Blinkerhöhe ab und
setzte den Frontspoiler vom "alten" GT/E darunter. Als
"Schürfreserve" dient eine C-Ascona-Lippe. Und Reserven kann
dieser ultratiefe Rochen immer gut gebrauchen.

Text & Fotos: Gerald Sandrieser
Quelle: Flash Opel Scene, Ausgabe 8/2000, Seite 6ff