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Press lounge - Publications - Düstere Erscheinung

Schön, aber selten - 93er Probe

               

Ein langes Leben war beiden Probe-Serien nicht vergönnt. Das Coupè im deutschen Ford-Programm hatte stets das große Vorbild namens Capri im Rückspiegel und konnte einfach nicht über den Schatten des Kult-Sportlers springen. Mazda hatte mit jeder 626Generation einen Volltreffer gelandet; das Coupè MX6 spielte dabei die sportliche Rolle der Fahrzeuge aus Hiroshima. Über diese Bodengruppe stülpte Ford eine betont attraktive Karosserie, deren fließende Rundungen italienischen Charme versprühten. Daniel gefällt die Karosserie mit der sich keilförmig zuspitzenden Frontpartie und den damals zeitgerechten Schlafaugen. Das rassige Heck bezeichnet er als "Zuckerstück des Autos". Die US-Version wurde nicht mit durchgehendem Lichterband und Nummernschild in der Schürze ausgeliefert, sondern mit der Aussparung für das kurze Kennzeichen zwischen den Rückleuchten. Dieses Feld verkleinerte Daniel in der Höhe und schraubte sein logischerweise viel zu langes Kfz Schild wieder an. Das Landratsamt zeigte angesichts der seitlichen Knicke und der im Brief eingetragenen Herkunft "USA" Einsicht und schlug ihm ein 30er Kurzblech vor. Die in die Heckschürze eingelassene Nebelschlussleuchte fiel einer von Daniel und Kumpel Danny durchgezogenen Säuberungsaktion zum Opfer, genauso wie der Heckwischer, sämtliche Logas, die Antennenöffnung und alle Zierleisten.

Die Radläufe wurden für ein gigantisches Gummimaß herausgedengelt am Heck sogar um 40 mm, was eine Angleichung der nun zu schmalen Heckstoßstange erforderte. Nach Weiteren Detailarbeiten wie beispielsweise der Anpassung der Gitter wartete bereits der Lackierer. Nichts anderes als eine neue Schicht der Serienfarbe Metallicschwarz, um genau zu sein kam in Frage. Getönte Rückleuchten machen den Probe zu einem finsteren Gesellen. "Die Scheiben sind serienmäßig so dunkel", verrät Daniel, ohne dabei rot zu werden. Schwarz wie der Ritter der Nacht steht der Ford nun auf breiten Sohlen, wobei sich die Suche nach geeignetem Beinkleid recht aufwendig gestaltete. Keine "gewöhnlichen Felgen, die jeder spazieren fährt", sondern großzügig dimensionierte Schmidt-VN Line-Räder fanden seinen Gefallen. Sie bieten beides, sowohl genügend Bett als auch eine edle Optik dank filigranem Speichendesign.

10 x 18 ET 13 unter der Hinterbacke, bestückt mit 255/35er YokohamaWalzen, verleihen bulliges Aussehen. Am Vorderrad steht das Maß auf 8,5 x 18; die Einpresstiefe von 20 wurde mittels 15-mm-Scheiben korrigiert und 225/40er Reifen zwischen Asphalt und Alu geklemmt. Die Fahrwerksaufgaben übernimmt eine Kombination aus gelben Koni Dämpfern und 35-mm-H&R-Federn, deren Vorderachspaar zweimal nachgepresst wurde..

Vorne liegt das Coups im Vergleich zum Serienbruder um 60 mm tiefer, was dem Probe eine dynamische Keilform verleiht. "200 PS könnten es schon sein", meint der im Ford-Team Delitzsch engagierte Pilot und bewilligte der Serienmaschine dezente Unterstützung in Form eines K& N-Filters und einem Eigenbau-Endschalldämpfer. Der Gruppe-N-Endtopf eines Golf 1 hält dank Schweißgerät Kontakt mit 60 mm starken V2A-Rohren und Endstücken aus dem Zubehörshop.

Dort, wo Daniel zu sitzen pflegt, hielt feinstes Leder in zweifarbigem Design Einzug. Die Methode klingt so einfach wie plausibel. Der Stoff der "gehäuteten" Originalsitze wurde für exakten Zuschnitt herangezogen und von der Sattlerei Hermann in Delitzsch vernäht. Der dunkelrote Farbton entspricht dem der Leiste an der Türverkleidung. Ein gleichfarbiger Schaltsack und sauber eingegliederte HiFi-Komponenten runden das edle Ambiente ab. Sein Schwager "Leiche" ließ Glanz in den Motorraum wachsen und polierte den Ansaugkrümmer, während sich Daniel um die Verchromung diverser Einzelteile kümmerte. Bleibt uns nur noch die Danksagung von an Freundin Jeannette weiterzugeben, die, statt sich "schwarz" zu ärgern, viel Verständnis für den edlen Probe aufgebracht hat.

Text & Fotos: Michael Kolb

Quelle: Ford Scene Drive, Ausgabe 11/2000, Seite 28ff