Press lounge - Publications - Der NOS-Bomber
Es gab Zeiten in der Szene, da gehörten Autos wie das folgende zum guten
Ton, waren gewissermaßen Pflichtübung. Doch die Zeiten haben sich
geändert. Heuer ist Understatement gefragt - bloß nicht irgendwie
(un)-angenehm Auffallen. Man investiert die Kohle lieber in edle Felgen, ein
moderates Fahrwerk und eine möglichst laute Auspuffanlage - fertig ist
der Hingucker schlechthin!?! Dann geht man noch mit dem Schraubenzieher den
Emblemen an den Kragen - war es das schon!?! Nicht unbedingt! Bevor man an den
Punkt kommt, wo selbst das leichte Weiten der Kotflügel als obszön
angesehen wird, setzt Dominik aus Nordhausen ein Zeichen, das nur schwer zu
übersehen ist! Als direkte Evolutionsstufe der wilden 80er, lehrt sein
Audi A4 Quattro allen Autos mit Hühnerbrust das Fürchten. Und das
dies auch auf der Autobahn so bleibt, dafür sorgt die blaue Pulle hinter
den Sitzen!
Je breiter desto besser!
Das Auto als Hingucker zu bezeichnen ist fast schon eine Beleidigung - hier
gelten ganz andere Maßstäbe. Vielmehr bleiben die Blicke kleben wie
die Fliegen an der Schei....be!

Das fängt schon bei der Karosserie an. Das Bodykit stammt von Pro Street
und trägt den verheißungsvollen Namen "Streetfighter".
Das sorgt schlicht und einfach für eine bombastische Optik, die selbst
in der DTM oder V8Star für Aufsehen sorgen dürfte! Der Frontspoiler
erinnert mit den vergrößerten Seiteneinlässen an den Porsche
Turbo, allerdings noch eine Nummer heftiger! Ebenfalls Vollgas gab man bei der
Motorhaube, die man zunächst verlängerte und auch den Grill ein wenig
verkleinerte. Damit der Motor, mit dem man übrigens noch eine Menge vor
hatte von seiner Abwärme möglichst schnell befreit wird, bekam die
Haube zwei große Luftauslässe spendiert, die für einen weiteren
optischen Kick sorgen. Davon hat der Wagen reichlich. Als weiteres Beispiel
könnte man die Lutzhutze auf dem Dach nennen, die besonders durch die perfekte
Ausführung begeistert! Um die Silhouette des Audis zu beschreiben, reicht
ein Wort: Prall! Alleine die Seitenschweller haben die Dimensionen von LKW-Trittbrettern,
ganz zu schweigen von den Kotflügelverbreiterungen. Da verwundert es nicht,
das die Schmidt-Felgen an der Hinterachse trotz 10,5 x 18 Zoll und 25 mm Spurplatten,
absolut bündig im Radhaus stehen. Das Heck gibt sich nicht minder selbstbewußt,
wofür allein schon der Heckflügel im Bügelbrett-Format sorgt.
Die Rückleuchten erfuhren eine gründliche Überarbeitung, erscheinen
sie jetzt im Look des aktuellen Modells, also rotweiß. Die Nummernschildaussparung
wurde auf US-Niveau gestutzt, wodurch sich eine satt große, ebene Fläche
ergibt. Nach dieser Monster-Verspoilerung sollte man auch den kleinen Dingen
die ihnen zustehende Aufmerksamkeit geben. Man hat in der Feinabstimmung die
komplette Karosse gecleant, darunter alle vier Türgriffe, die Schlösser,
Embleme, und und und ...
Wie
schon gesagt, als Felgen kommen Schmidt VN Line zum Einsatz, natürlich
im makellos poliertem Zustand. Bei der Bereifung entschied er sich für
225/40er vorne und 255/35 hinten. Die millimetergenaue Absenkung des Fahrzeugs
übernimmt das Gewindefahrwerk von Koni.
NOS-Power macht Porsches sauer!
Diese martialische Optik verlangt auch nach einem entsprechend starken Motor.
Wer jetzt heimlich auf einen 1,6 Liter hofft, den man an der Ampel in seine
Schranken weisen könnte, sollte seinen GTI schnell abstellen und in Deckung
gehen, denn auch in diesem Bereich sucht sich der A4 seine Gegner in anderen
Gewichtsklassen. Dank 2,8 Liter Hubraum, verteilt auf sechs Töpfe, ist
der A4 schon in der Serie eher zum klotzen als zum kleckern gut, aber Dominik
wollte einfach mehr. Durch umfangreiche Modifikationen am Motor stemmt dieser
bereits im Normalbetrieb wesentlich mehr Pferde auf die Kurbelwelle, insgesamt
250 PS. Man erreichte dieses Plus durch Sportnockenwellen von Schrick, einen
Digitec-Chip und einen K&N-Luftfilter. Zusätzlich erleichterte man
die Schwungscheibe und nahm eine Feinwuchtung vor, was sich in einer sehr spontanen
Drehfreude wiederspiegelt. Bei Bedarf kommt die bereits erwähnte blaue
Pulle zum Einsatz, die dann für satte 320 PS gut ist...
Der 90° V6 nimmt bauartbedingt sehr viel Platz in Anspruch, daher viel
die optische Verzierung des Motorraums nicht schwer. Einfach den Plastikdeckel
des Motors in Wagenfarbe lackieren - schon sieht es auch unter der Haube top
aus!
Sport pur!
Der Perfektionismus setzt sich im Innenraum nahtlos fort. Wenn man über
die nötige Gelenkigkeit verfügt, um sich durch den Wiechers-Käfig
zu räkeln, nimm man in vorzüglichen Sparco Schalensitzen Platz, die
mit Schroth 6-Punkt Gurten ausgestattet sind. Ein sportliches Airbag-Raid findet
man hier ebenso wie Alu-Pedale und einen sehr eigenwilligen Schalthebel. Wo
einstmals die Rücksitzbank war, dort ist heute die Lautsprecherbatterie
platziert. Vier 30er Subwoofer von Rockford sorgen für ordentlich Druck
im Kreuz, den Rest übernehmen die Front- und Hecksysteme von Phase Linear.

Die Verstärker, drei an der Zahl, präsentieren sich optisch sauber
und aufgeräumt im Kofferraum, der im Zweifel noch den einen oder anderen
Getränkekasten schlucken kann.
Zum Schluß wollen wir Dominik die Gelegenheit geben, den Leuten zu danken,
die ihn bei diesem Mammutwerk unterstützt haben. Der Dank geht an die Mitarbeiter
von Pro Street, Kevin von S&S Car HIFI, Crossi, Paul, Tom, Harzi, Helle
und an alle die er vergessen hat. Doch besonders an seine Freundin Sandra, die
viele Stunden alleine verbringen mußte.
Baujahr: 1996
Hubraum: 2800 ccm
Motorleistung: 250/320 PS (mit NOS)
Rad/Reifen: Schmidt VN-Line, vorne in 9,5x18 mit 225/40/18, hinten in 10,5x18
mit 255/35/18
Fahrwerk: Koni-Gewinde
Motor: Schrick-Nockenwellen, K&N Luftfilter, Schwungscheibe erleichtert,
Digitec-Chip, NOS-Anlage
Karosserie: Pro Street KarosserieKit "Streetfighter", Lufthutzen in
Dach und Motorhaube, böser Blick, RiegerHeckfügei, Mattig Heckscheibenspoiler,
Rückleuchten Eigenbau, Spezial-Grill, M3 Spiegel
Lackierung: Tangola-pearl
Innenausstattung: Wiechers-Käfig, Sparco-Sitze, Schroth 6-Punkt Gurte Musikanlage:
Clarion Tuner mit LCD Monitor, CD, DVD, 2x Alpine V12 Endstufen, 1 x Rodek Endstufe,
4x 30 cm Rockford Fosgate, Front- und Hecksystem von Phase Linear
Text: The Rookie; Fotos: French Lover
Quelle: GTIplus 4/2002, S. 18