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Press lounge - Publications - Extremer Öltanker...

...ist als Bezeichnung doch etwas übertrieben, denn die Dieselmotoren sind heutzutage nicht mehr die altbekannten Rußwerfer. Sie sind schon lange nicht mehr die lauten, nagelnden Dreckschleudern. Und trotzdem sind sie in der Tuner-Fraktion nicht gerade weit verbreitet. Wer sich in der Tuner-Fraktion nicht gerade weit verbreitet. Wer sich heutzutage einen Diesel zulegt, gehört meist zu den Viel- oder Berufsfahrern.

Ein 22 jähriger Installateur aus Pettenbach macht da die Ausnahme. Bernhard Gschwenter legte sich im Juli '99 diesen silbernen, damals noch serienmäßigen, Golf IV TDI zu. Da es sich um einen Neuwagen handelte, war klar, dass eine sehr gute Basis für Veränderungen von Motor und Karosserie vorhanden war.

Bei Gebrauchten gleicht dies ja immer einem Glücksspiel: Sind irgendwo Roststellen? Wie sieht die Maschine aus und so weiter. Diese Sorgen ersparte sich Bernhard gänzlich. Da er noch einen Lancia Delta Integrale als Winterauto zur Verfügung hat, wird der Silberne wohl nie Schnee und Eis zu sehen bekommen. Ein weiterer Vorteil ist auch, dass man seinen Liebling über den Winter in Ruhe umbauen kann, ohne darauf angewiesen zu sein. Und diese Zeit ist offensichtlich sehr gut genutzt worden. Dieser Öltanker hat außer dem Namen gar nichts mehr mit seinen Serienbrüdern gemeinsam.

Die heutigen Dieselgenerationen zeichnen sich durch ein angenehm hohes Drehmoment aus; um dies noch zu steigern, hob Bernhard die Serienleistung von 110 PS auf ordentliche 148 PS an. Wie er das schaffte? Eigentlich ganz einfach! Durch einen Kerscher Chip und einen K&N Sportluftfilter. Eine weitere Leistungsspritze kommt von der für ein Dieselfahrzeug ungewöhnlichen Gruppe A Rennsportanlage ab Kat. Aber Leistung ist nicht alles. Und so schneiderte der Fettenbacher dem Golf ein Kleid, das seinesgleichen sucht. So sind die Anbauteile sehr sorgfältig ausgewählt. Die Seidel Frontschürze verpasst dem 4er eine sehr markante Optik. Mit den integrierten seitlichen Lufteinlässen bekommt diese einen Hauch vom Audi RS4. Für einen besseren Abtrieb wurde darunter noch ein Cupschwert von Rieger verbaut, welches in ähnlicher Form auch die Heckschürze mit ihrem Diffusor ziert.

Aus dem Hause Rieger stammen auch die Seitenschweller. Und da Bernhard auf Luftschlitze zu stehen scheint, verbaute er hier welche, die eigentlich in in die Spiegel eines Renault Espace gehören. Und da wir schon mal bei Spiegeln sind, können wir auch gleich auf die Hagus Sportspiegel im M3 Look kommen, die sich dank Adapterplatten ohne Mühe ans Golf-Spiegeldreieck montieren lassen. Mit ähnlicher Leichtigkeit lassen sich auch die Scheinwerferblenden und die Aluminium 16V Antenne montieren. Schwieriger gestaltet sich dagegen schon das Entfernen der Fürschlösser. Womit dann wohl klar ist, dass sich die Türen nur noch per Fernbedienung öffnen lassen. Wie die Schlösser sind auch die VW Embleme entfernt worden. Natürlich sind an diesen Stellen keine Lackschäden oder Löcher zu erkennen, was dem Gesamteindruck sehr zuträglich ist. Um dem Silber, das sämtliche Karosserieteile bedeckt, einen Kontrast zu bieten, sind die Hauptscheinwerfer, Seitenblinker und Heckleuchten ganz in schwarz getönt.

Natürlich trägt er Schmidt's Puschen...
Im Normalfall würden wir jetzt üb er die Nebelscheinwerfer reden, die in der Frontschürze eingelassen worden sind. Bei Bernhards Golf ist das auch nicht anders, nur mit dem Unterschied, dass diese sich nicht in der Stoßstange befinden, sondern in den Scheinwerfern, was bewirkt, dass die gerade Linie der Frontpartie nicht unterbrochen wird. Da dieser TDI nicht nur schön sondern auch tief ist, wollt Ihr jetzt sicher auch was über das Fahrwerk und die Reifen erfahren. Die auf manchen Straßen für den Frontspoiler doch etwas gefährliche Asphaltnähe wird von einem FK-Gewindefahrwerk fabriziert. Da sich der Wagen vorn um 100 mm und hinten um 80 mm senkt, ist das wohl wirklich nur auf ausgewählten Routen unbeschwert zu genießen. Aber die zahlreichen Zuschauer mit ihren neugierigen Blicken geben Bernhard wohl Recht. Tiefer ist manchmal halt auch besser.

OK, die riesigen 18 Zoll Schmidt Felgen sorgen schon ein wenig dafür, dass es mit dem Tiefgang nicht überhand nimmt. Mal abgesehen davon, dass die 9 bzw. 10J breiten Räder mit ihrem polierten Horn schon echte Sahne sind, die 225/40er vorn und die 245/35er Toyo Bereifung hinten ist für diese Leistungsklasse doch etwas üppig bemessen, auch wenn sie einen gewaltigen Auftritt garantieren. Schon fast klar ist, dass bei diesen Dimensionen nicht nur gebördelt werden muss, sondern die Kotflügel rundum ca. 2 cm aufgeweitet werden müssen. Das Eine zieht das Andere bekanntermaßen immer nach sich. Aber nichts desto trotz, ein echt gelungener Auftritt. Sollte man es trotzdem schaffen, sich von der Schönheit der Außenhaut loszureißen, darf man es nicht versäumen, sich den Innenraum etwas genauer anzusehen. Hier trifft man zwar auf alte Bekannte, wie die GTI Ausstattung oder die Recaro-Sitze, es gibt aber auch hier ganz individuell gestaltete Details, denen man etwas mehr Aufmerksamkeit schenken sollte. Damit ist natürlich die sauber verbaute Hifi-Anlage gemeint. Das Herzstück eben dieser bildet ein Sony CD-Radio. Wer jetzt einigermaßen Ahnung von Car-Hifi hat weiß, dass man eine ausgewogene Anlage nicht nur mit einem Headunit befeuern kann. Zur Unterstützung wurde deshalb ein Signat RAM II Poweramp abgestellt.

Die 8 Lautsprecher des Bose Soundsystems bieten zwar einen sehr ausgewogenen und harmonischen Klang, sind aber im Tiefbassbereich doch etwas schwach auf der Brust. Dies liegt zum Einen an der fehlenden Membranfläche, zum Anderen an der nicht ganz sauberen Trennfrequenz der Weichen. Um dieses Manko auszugleichen und auch in den tiefsten Bass-Keller vorzustoßen, ist eine Bassreflexkiste mit zwei der zur Zeit besten Woofern bestückt. Das Rockford & Fosgate Gehäuse ist wie der Rest des Kofferraums mit Riffelblech verkleidet. Damit Bernhard auch zeigen kann, was er zu bieten hat, ist der Blick auf die Magneten durch eine Plexiglasscheibe freigegeben.

Als wenn die schmucke Außenhaut nicht schon interessant genug wäre. Alles in Allem ist dies ein ganz besonders schönes Schmuckstückchen mit Diesel Power. Damit ist doch wohl eindeutig bewiesen, dass auch Diesel in die Szene gehören.

Quelle: Lesertuning, Ausgabe 1/2001, Seite 4ff