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Press lounge - Publications - Sechs in the City

Eigentlich wollte Oliver Koch nur ein sparsames Auto für seine Pendlerfahrten kaufen. Er pendelt immer noch, doch sparsam ist der Corsa mit Vectra V6-Motor nicht mehr.

Viele Wege führen nach Rom, und mindestens doppelt so viele Wege bringen einen zum Hobby Opel Tuning. Einen ungewöhnlichen ging Oliver Koch. Der Zeitsoldat beschäftigte sich ursprünglich mit seinem Golf 2, bis die lose Gruppe von Tuning-Freunden um ihn herum langsam auseinanderbrach. Irgendwann suchte der 27-Jährige dann ein sparsames Auto für seine wöchentlichen Pendlerfahrten (rund 400 Kilometer) und stieß auf seiner Suche beim lokalen Opel-Dealer auf den Corsa B.

"Ich wollte irgendwas Sparsames, was aber trotzdem Spaß macht", beschreibt Oliver seine damaligen Vorstellungen. Der ins Auge gefasste 1,6 Liter GSI hatte zwar einen kleinen Frontschaden, aber "nichts, wofür man eine Richtbank gebraucht hätte". Für rund 9000 D-Mark wechselte das 94er Baujahr schließlich den Besitzer.

Der Corsa verfügte bereits über eine Mantzel Ansaugbrücke, nette Felgen und ein Fahrwerk, "aber das originale Opel-Rot war einfach nicht mein Fall", wie sich Oliver erinnert. "Für den Anfang reichte das, aber ich habe schon überlegt, was ich alles machen kann und wie ich alles etwas extremer hinbekomme". Die Gestaltung verlief in bekannten Bahnen. Etwas Zylinderkopf hier, ein bisschen Nocke da - das Rezept zum Tuning-Spaß-Programm. Der Fun hörte aber auf der Autobahn bei Regensburg auf. Kapitaler Motorschaden, Ende. Denkste, denn was ein echter Tuning-Fan ist, der gibt nicht so einfach auf. Oliver richtete den Schaden und ging weiter seinem Hobby nach.

2003 gab es auf dem Weg zum Lausitzring auf der Autobahn eine folgenschwere Begegnung. Ein anderer Corsa B schloss sich Oliver im Konvoi an und am Ring angekommen konnte der Waldhafener einen Blick unter die Haube werfen: V6. "Das war für mich der entscheidende Punkt. Da hab ich gedacht, dass ich sowas auch probieren könnte. Ich wollte ja etwas Besonderes. Wenn man sich heute umsieht, fahren viele den 2 Liter 16V. Mit dem Motor kann man 'ne Menge machen und die Händler schmeißen einen zu mit Zeug dafür. Ich wollte aber etwas Extremeres." Was sich hier so einfach liest, sollte dem Soldaten in der Folgezeit einige schlaflose Nächte bereiten.

Die V6-Spende war schnell gefunden. Der bereits erwähnte Opel-Händler hatte auf seinem Hof einen Vectra A Automatik mit 2,5 Liter V6-Motor (C25XE) stehen. 69000 scheckheftgepflegte Kilometer gelaufen und vollkommen original. Diesmal gingen 650 Euro über die Ladentheke und der Vectra wanderte in die Garage. „Ich wollte erstmal eine Firma suchen, die sich mit solchen Umbauten auskennt. Ich kann zwar viel alleine machen und bekomme auch reichlich Hilfe von meinen Freunden, aber für den Start wäre das nicht schlecht gewesen". Doch die Probleme schienen zahlreich und die angeboteten Lösungen trotz anderer Versprechen der Firma eher mau. Der dickste Brocken waren die Halter und Einpassungs-Arbeiten für den schweren Motor im kleinen Corsa B. "Am Ende hab ich das Problem eigentlich selbst gelöst. Die gelieferten Teile der Firma passten nicht, also hab ich Zeichnungen angefertigt und alles hin und her geschickt, bis die Sachen passten." Auch dank Olivers Eigen-Arbeit kann die Firma heute den kompletten Umbau für 8500 Euro anbieten

Auch beim Getriebe gab es keine Standard-Lösung, schließlich war der V6-Motor vorher mit Automatik-Getriebe gelaufen. Das heutige Ergebnis besteht aus einer Kupplung vom C20LET und dem Schwungrad des C20XE. Nach weiteren Anpassungsarbeiten an Antriebswellen, Achsschenkeln und Zugstreben sowie einem extra angefertigten Kupferkühler war das Werk so gut wie fertig und stabil. Nur das hohe Gewicht des C25XE musste noch besser gestützt werden. Ein FK-Gewinde für hohe Achslasten erledigt den Job perfekt.

Auch das richtige Wort für die Bremsanlage: vorne verbaute Oliver die Scheiben vom Vectra A mit 4x100er Lochkreis - die Rohlinge wurden extra gebohrt. An der Hinterachse genehmigte der TUV die originale Trommelbremse vom Corsa B (!)- mehr ist wegen des geringen Gewichts auf der Hinterachse nicht nötig. Den Kontakt zur Straße findet das alles durch einteilige Schmidt VN-Line in 7,5 und 9 x 16 Zoll, die sich sportlich von 195/45er und 215/40er Dunlop SP9000 ummanteln lassen.

"Sicher ist der Corsa damit kein Kurvenräuber", lacht Oliver, "aber auf den geraden, flachen Autobahnen macht das eine Menge Spaß." Der Corsa hat aber freilich noch mehr
zu bieten, als nur seinen Motor. Neben seiner neuen Farbe fallen die Verbreiterungen, die Stoßfänger (Ebay) und der extrem cleane Anblick auf. Die Türgriffe kommen ohne Schlösser aus und öffnen per Druck auf die Tasten der Fernbedienung.

Im Innenraum fallen die von der Sattlerei Mühle aus Ebersbach mit zweifarbigem Kunstleder bezogenen Monaco Halbschalen-Sitze, Türen und Verkleidungen auf. Einige Teile bekamen Marble-Effekt-Lack ab, wie etwa das 32er Seim Volant. Das Armaturenbrett ist komplett mit Fleece bezogen. Darin verbirgt sich nicht nur der Tacho vom Calibra Turbo (reicht bis 280 Stundenkilometer) sondern auch ein Drehzahlmesser vom Vectra A V6. Für die richtige Akustik sorgen das Clarion-Steuergerät in Verbindung mit Axton-, Pioneer- und Rockford Fosgate-Teilen. War es das? Diese Frage hat sich wohl jeder Tuning-Fan schon einmal gestellt. Und wie die Mehrzahl beantwortet auch Oliver die Frage mit einem klaren "nein".

"Einige Details fallen mir da schon noch ein. Sowas, was man nicht auf den ersten Blick erkennt. Außerdem sind mir die 170 PS inzwischen nicht mehr genug. Ich denke über einen Kompressor nach und die entsprechende Sicherheitsausstattung". Wir sind gespannt, was dabei heraus kommt.

Quelle: Opel Tuning, Ausgabe 08/2006, S. 8ff