Press lounge - Publications - Tiefstapler

Eigentlich wollte Alex Härtig an seinem neuen Lupo nichts mehr machen - Hauptsache ein Wagen, der zu jeder Zeit zuverlässig seinen Fahrdienst aufnimmt. Dann begann der Bad Oldesloer den Kleinen doch aufzurüsten. Die Krönung: eine extravagante Car-Audio-Anlage mit so richtig Dampf!
Mit seinem Polo der zweiten Generation war Alex nach einem G40-Doping soweit ganz zufrieden. Doch, um den Wagen ohne Murren am Laufen zu halten, war in gewissen Abständen schon die eine oder andere Schrauberei notwendig. Mit ein Grund, warum in dem gelernten Dachdecker der Wunsch nach einem völlig stressfreien, rundum alltagstauglichen Auto heranreifte. Sein zweites Vehikel, ein VW Käfer Bj. `67, den er übrigens heute noch besitzt, konnte diesen Vorstellungen freilich auch nicht gerecht werden, also sollte im Sommer 2001 ein neuer Kleinwagen her. Auf seiner Suche fiel Alex bei einem Händler ein schwarzer Lupo ins Auge, der lediglich eine Tageszulassung hinter sich hatte und seit einem halben Jahr auf einen neuen Besitzer wartete. Außerdem war die sportliche Ausrüstung mit Schweller, Front- und Heckschürze sowie einem DTM-Auspuff mit 76er Doppelrohr von ABT nach seinem Geschmack. Für 26.000 DM war die Sache schließlich geritzt.
Anfänglich verschwendete Alex keinen Gedanken daran, an seinem neuen Wolfsburger rumzuschrauben. Doch im Sommer darauf juckte es ihn dann doch, an dem kleinen Schwarzen Hand anzulegen. Mittels H&R-Gewindefahrwerk brachte er den Wagen vorn 80 und hinten 60 Millimeter dem Asphalt näher, und ab sofort rollte der Lupo auf "TH-Line"-Felgen von Schmidt im Format 8 x 14 plus 10-mm-Spurverbreiterung vorn sowie 9 x 14 hinten mit Toyo- "Proxes" -Gummierung in 195/45 und 225/40 R14. Als nächstes folgte eine Motorhaubenverlängerung mit "bösem Blick", und Schritt für Schritt wechselte Alex weitere Teile aus. So mussten beispielsweise die Original-Scheinwerfer schwarzen Ausführungen von FK weichen, und am Heck blitzten bald Klarglas-Rückleuchten in Chrom.
So weit, so gut. Am Motor wollte Alex eh nichts verändern, aber fürs Interieur hatte er bereits die eine oder andere Idee. Vor allem stand eine gescheite HiFi-Anlage oben auf der Liste, denn gute Mucke für unterwegs sollte schon rein. Doch dann kam während der Planungsphase alles völlig anders. Ganz in der Nähe suchten die Car-HiFi-Spezialisten Thomas Benthien und Stefan Steincke von B&S Car Audio zur Teamverstärkung einen Einbauer. Die netten Jungs wurden sich einig, und der Dachdecker wechselte aus luftigen Höhen in die Montagehalle der Firma bei Bad Oldesloe. Als ehemaliger Kunde hatte Alex nun die beiden alten, erfahrenen Hasen direkt an seiner Seite, und in den kommenden vier Wochen nutzte er jede freie Minute für den Einbau seiner Hammer-Anlage.

Zuerst wurde der Lupo komplett gestrippt, die Rücksitzbank verlor ihren angestammten Platz, und wie es sich gehört; wanderte jede Menge Dämmmaterial zur Ruhigstellung aufs nackte Blech. Vorne sollte es richtig knallen, und so fertigte Alex für die Türen Doorboards aus GFK, in denen insgesamt vier 16er von I.N. Audio pro Seite Platz fanden, wobei zwei der Chassis parallel geschaltet den Kickbass-Bereich von 70 bis 250 Hz beackern, die beiden anderen arbeiten von 80 Hz bis 4 kHz als Tief-/Mitteltöner. Darüber übernehmen zwecks höheren Endschalldrucks statt einem gleich zwei Hochtöner pro Seite, die perfekt in die Spiegeldreiecke eingearbeitet und wie die Doorboards mit schwarzem Leder bezogen sind. Um den Boards optisch noch mehr Pep zu verleihen, arbeitete Alex schließlich noch geschwungene Acryl-Dreiecke mit Linien und einem Lupo- bzw. B&S-Car-Audio-Logo ein, die mittels LEDs blau beleuchtet sind.
Auch für den Heckbereich hatte Alex eine äußerst druckvolle Konstruktion geplant. Bestückt mit vier 30er Doppelschwingspulen-Subwoofern "W300" von Ampire mit je 700 Watt Dauerbelastbarkeit - da sollte kein Auge trocken bleiben! Für die vier geschlossenen Gehäuse, zwei auf jeder Seite und völlig voneinander getrennt, wurde zuerst eine Basiskonstruktion aus MDF-Platten und -Gerippe zur Versteifung gebaut und auf Stegen breite, freistehende Holzringe befestigt, die zur Montage der Subwoofer dienen. Über diesen "luftigen" Rohbau spannte Alex große Matten aus Spezialvlies, die er anschließend an den Kanten fixierte. Dadurch kommen die geschwungenen Flächen zustande, auf die im nächsten Schritt mehrere Schichten Harz aufgetragen wurden. Nach akkuratem Abdichten, reichlich Schleifarbeit, zig Filterschichten und zahlreichen Feinschliff-Durchgängen waren die Gehäuse fürs Beziehen fertig.
Doch zuvor wurde noch ein offener GFK-Abdeckrahmen für die drei Ampire-Endstufen angefertigt, die am Boden zwischen den zwei Bass-Gehäusepärchen sitzen: zwei Monos "M.1000" mit je 1000 Watt RMS für jeweils zwei auf 1 Ohm parallel geschaltete Subwoofer und zwei 4-Kanal-Endstufen "M.85.4" mit insgesamt je 350 Watt RMS für die Frontbefeuerung. Dabei werden auf jeder Seite die Kickbässe, die Tief-/Mitteltöner und das Hochtöner-Duo direkt angesteuert, und lediglich vor den Tweetern sitzt zur Sicherheit noch eine Passivweiche. Und natürlich ist für satten Strom gesorgt, der durch eine Exide-Gelbatterie in der Reserveradmulde und zwei 1-Farad-Brax-Elkos sichergestellt wird. Die aktive Frequenzauftrennung bewerkstelligt Alex übrigens ohne Hilfe weiterer Elektronik mit seinem Steuergerät, einem MP3-CD-Receiver "DEH-P8600MP" von Pioneer, dessen Pre-Outs für Front, Rear und Sub per Schalter alternativ zu einer aktiven 3-Wege-Stereo-Frequenzweiche umgeschaltet werden können. Unter dem Pioneer implantierte er noch nachträglich einen Alpine-DVD-Player "DVE-5207", der den 6,5"-Alpine-TFT-Farbmonitor speist, welcher anstelle der Lüftung in einen eigens angefertigten Schacht sauber eingearbeitet ist.
Äußerst aufwändig gestalteten sich die abschließenden Bezieharbeiten im Zweifarbton mit schwarzem und beigem Leder, die Alex konsequent im gesamten Interieur umsetzte. So ziehen sich geschwungene Kombinationen von beigen und schwarzen Flächen vom Armaturenbrett über die Türverkleidungen bis hinten über die Bassgehäuse-Landschaft - insgesamt ein sehr gelungenes, optisch lebhaftes und sauberes Oberflächenfinish. Genau wie der herausragende Sound der Anlage, die ein präzises, knackiges Klangbild liefert, über jede Menge Dynamikreserven verfügt, im Bassbereich abgrundtief stapelt und dazu mächtig schiebt. Und wenn's mal ein bisschen lauter sein darf: Auch Pegelsüchtige werden bestens bedient - gemessene 142,9 dB bei einem dB-Drag-Wettbewerb im letzten Herbst sind eine solide Ansage, oder?

Quelle: VW Scene, Ausgabe 05/2006, S. 116ff