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Press lounge - Publications - Ganz unten - Lowrider-Passat 3B

Airride der extremen Art? Falsch. Hier wurde ein Gewindefahrwerk verbaut, das noch nicht mal nur für die Fotoaufnahmen so extrem abgesenkt wurde. Vielmehr spult diese belgische Asphaltfräse fast 60.000 Kilometer jährlich runter, und das im absoluten Low Level. Kein Wunder, denn der Fahrer ist ja schließlich der Präsident des gleichnamigen Clubs!

Airride? Nein, das geht ja nun gar nicht", erklärt der Belgier Baloe in perfektem Deutsch. "Weißt du, ich bin Präsident von 'Low Level', und unser Clubname ist Programm. Die meisten Airrider senken ihre Karren nur auf den Meetings ab, aber wir fahren immer ganz unten." Alle Clubmitglieder nutzen ihre Fahrzeuge im harten Alltag, und Baloe kommt auf gute 60.000 Kilometer im Jahr. Eins wird hier schnell klar: Die Jungs sind konsequent bis zum letzten Millimeter Federweg und lassen sich ebensowenig vom Tieferfahren abbringen wie der Papst vom §218! Wegen seiner Figur erhielt der Schleusenwärter den Spitznamen "Baloe", so heißt der Bär aus Walt Disneys "Dschungelbuch".

Doch auch in Sachen Car-Tuning zeichnet der Belgier sich durch wahre Größe aus. Dieser Passat ist sein erstes Projekt-Car - und zugleich sein erstes Auto überhaupt. Gekauft hat Baloe den Wagen mit 210.000 Kilometern auf der Uhr. Für einen TDI mit 110 PS, der noch dazu in Diensten eines Bäckermeisters stand, eine geringe Laufleistung. Um dem Motto von "Low Level" gerecht zu werden, baute Baloe ein KW-Gewindefahrwerk der Variante 2 ein und schraubte es bis fast auf den Asphalt runter, bis er einen Wert von minus 150 Millimetern erreicht hatte. Dazu wählte er Braid-Felgen, die aber nicht recht zur Optik passen wollten. Kurzerhand verkaufte der Belgier sie wieder und legte sich einen Satz Schmidt-"TH-Line" in den Dimensionen 9 x 18 und 10 x 18 zu, die er mit 215er Pirelli "P Zero Nero" gummierte.

So ausgestattet, ging es erstmal auf die Piste, bis bei 285.000 Kilometern die Kopfdichtung zerbröselte. Da der Motor einmal aufwar, revidierte Baloe ihn direkt, obwohl die Verschleißerscheinungen relativ gering waren. 10.000 Kilometer später gab das Schaltgetriebe seinen Geist auf und wurde ebenfalls überarbeitet. Da nun die Technik sozusagen auf dem neuesten Stand war, kümmerte sich der Schleusenwärter um optische Aspekte. Ein Bonrath-Grill ohne Emblem und eine japanische Stoßstange dürfen nun dem Fahrtwind trotzen. Aber auch das Heck sollte entsprechend angepasst werden. Baloes Vater brachte ihm aus den USA eine 3BG-Heckklappe des neueren Modells mit. Der Vorteil dieser Klappe ist die deutlich kleinere Kennzeichenmulde. So hielt sich das Cleanen der Karosserie in Grenzen; lediglich Embleme, Seitenmarkierungen, Scheibenwischer, Antenne und Türschlösser fielen der Reinigungsaktion zum Opfer.

Baloe spult die 60.000 Kilometer im Jahr fast nur für sein Hobby runter. Dass man da einen angenehmen Arbeitsplatz haben möchte, können wir durchaus nachvollziehen. Schon ab Werk mit dem "Sportline"-lnterieur ausgestattet, setzte der Club-Präsident noch eins drauf: Die Firma De Geet in Hoselt bezog in seinem Auftrag Sitze, Türverkleidungen, Schalthebel und das Dino-Volant mit feinstem gelbem Leder. Im letzten Winter wurde der Passat in "Bamboegrau" neu lackiert. Mittlerweile hat der Passat 335.000 Kilometer auf der Uhr - was Baloe aber nicht daran hindert, weitere Arbeiten in Angriff zu nehmen. Momentan ist er mit dem Ausbau des Kofferraums und dem Motorraum beschäftigt.

Quelle: VW Scene, Ausgabe 09/2005, S. 54ff