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Press lounge - Publications - Alpenglühen - Schweizer Turbo-Bora auf dicken Sohlen

Mit Vorurteilen und flachen Witzen über unsere Schweizer Nachbarn könnte man diese Seiten ganz locker füllen. Und das wollen wir hiermit auch tun. Ein Vorurteil besagt nämlich, aus der Alpenrepublik kämen perfekt aufgebaute, heiße Volkswagen. Mal sehen, ob das
stimmt...

Wenn man bei einer VW-Werkstatt beschäftigt ist, stolpert man hin und wieder über ein verlockendes Neuwagenangebot. Bei Patrick Strasser war dies nicht anders. Die Offerte war so verführerisch, dass kurze Zeit später eine Bora-Limousine in der "Highline"-Ausstattungsvariante vor seiner Garage in Benken parkte. Als Ex-G60-Fahrer sollte es auch an Leistung nicht mangeln, so entschied sich der junge Schweizer für die 1,8-Liter-Maschine mit Turboverfeinerung. Die werksmäßigen 180 Pferde hätten in der ohnehin reglementierten Schweiz dicke gereicht - wenn nur das Jucken im rechten Fuß nicht gewesen wäre. Linderung versprachen nur ein Chip von Evotech, ein Forge-Pop-Off-Ventil und ein K&N-Luftfilter. Damit stieg die PS-Zahl auf gute 220 Zähler, welche dank einer sehr durchsatzfreudigen Bastuck-Anlage ihren geräuschvollen Abgang ins Freie regelrecht zelebrieren. Auch wenn die Motorräume von heute doch sehr steril wirken, auch in der saubersten Hütte ist Platz für ein paar Optik-Leckerli. So glitzert die Ansaugbrücke mit den galvanisch veredelten Deckeln und Schräubchen um die Wette, wahrend Motorabdeckung, Filterkasten und Batteriebehausung einen Hauch edlen schwarzen Lackes abbekamen. "Taz" wird da schon wissen, warum er einen Ehrenplatz als Airbrush erhalten hat!

Ein Doping per Chipspritze ist das eine - im klassichen Tuning tobte sich Patrick nicht weniger heftig aus. Stramme Waden waren angesagt. Knackig-durchtrainierte Muskeln, die den Bora bei jeder Situation auf der Straße halten. Und wenn man auch mal über ein paar liegengebliebene Toblerones fahren muss... FK lieferte die Königsport-Muckis, und da Patrick nicht eher aufhörte, am Gewinde zu drehen, bis der Wagen gute sieben Zentimeter tiefer über den Asphalt schrappte, war die Monage eines Apex-Stabis unausweichlich geworden. Im Vergleich zu den Felgen allerdings Peanuts. Um die 9,5 und 11 Zoll breiten, vollverchromten Revolution-18-Zöller unters Blech zu bekommen, war kräftiges Ziehen angesagt. Um gute drei Zentimeter recken sich die Radläufe nun weiter nach außen. Somit stand der Montage der breitformatigen Toyo-Gummis in 225/40 und an der Hinterachse stattlichen 265/35 ZR18 nichts mehr im Wege.

Wenn sich der Bora nun im Rückspiegel immer näher und näher zoomt, mag man erst einen Moment innehalten und grübeln: Was ist das überhaupt für ein Auto? Ein VW-Emblem sucht man nämlich an diesem Bora vergebens. Die Motorhaube wurde mitsamt ihrer mittigen Ausbuchtung verlängert und über die Scheinwerfer gestülpt. Die grimmig wirkende Frontstoßstange stammt aus dem Regal von Volkswagens Haus- und Hoftuner Votex. Die Lufteinlässe im Kotflügel und die fehlenden Seitenblinker gehen dafür voll auf Patricks Konto. Hat man diesem gierigen Stufenheck nun endlich die linke Spur geräumt, bleibt nach einem kurzen Augenblick nicht mehr übrig als das Heck. Ein gecleanter Kofferraumdeckel, die Serienschürze aus einem Stück, ohne Stoßleisten und Spoileransatz - kann das ein VW sein? Patrick dürfte so manchen verwunderten Autofahrer zurückgelassen haben.

Schade eigentlich, denn auch wenn man etwas hinter die coole Fassade guckt, kann man Interessantes erspähen. Schwarz-weiße Recaro-Sportsitze verdrängten die auch nicht zu verachtenden Highline-"Hocker" aus Reihe eins. Die Rückbank erhielt einen neuen Bezug passend zur "Corporate Identity". Keine Hemmungen auch beim Lenkrad: Raus mit dem originalen Steuer und rein mit dem 32er Airbagtenkrad von Raid. Während die Lüftungsblenden schwarz lackiert wurden, stammen die Alu-Applikationen vom Jubiläums-GTI. Garantiert einmalig, weil speziell angefertigt, sind die Türabdeckungen mit Leder und Airbrush-Deko. Der ehemalige Kofferraum transportiert nur noch Lautsprecher und Endstufen, vorzugsweise die hochglänzenden Exemplare der Firma Phonocar. Auf der Innenseite der Kofferklappe fand sich sogar Platz für einen Monitor. Bildschirm Nummer zwei misst 15 Zoll in der Diagonale, klappt auf Wunsch vom Himmel herunter und sorgt zusammen mit dem Pioneer-"DVD 6500"-Multimediasystem inklusive DVD-Wechsler und PS2 für Unterhaltung der speziellen Art. Ja, wenn Patrick Gas gibt, dann glüht es nicht nur in den Alpen!

Quelle: VW Scene Ausgabe 07/2005, S. 162ff