Press lounge - Publications - Goldige Bestie
Lieber Nürburgring als Ehering. Wenn Gold, dann nicht am Finger. So schuf
Markus Gelen die Goldige Bestie. Lieber 24 Karat und 18 Zoll als umgekehrt.
Markus interpretierte den Begriff vom Schwarzen Gold auf eigene Art. Die Mischung
steckt nicht im Gummi, sondern im gesamten Ganzen.
G 6 ist schlicht untertrieben. Klar, MG im Kennzeichen steht
für Markus Gelen. Die 6 aber liegt daneben. Markus hat
mehr als doppelt so viele VW-Projekte realisiert. Der pechschwarze
Vierer GTI ist bereits sein 13. Opus. Sieht ganz so aus, als
ob der die würdige Nachfolge seines Kult-Zweiers antritt,
den es freilich immer noch gibt.
Beginnen wir mit den Rädern: Sicher, das sind Revolution-Leichtmetaller
aus der VN-Line. Mit neuneinhalb und zehn mal 18 Zoll sind
sie wahre Brummer. All das aber überstrahlt ihr Finish:
die Schüsseln hochglanzpoliert, die Sterne und die Verschraubungen
- 40 Stück pro Rad! - in 24 Karat vergoldet. Extrem exklusiv,
aber auch extrem pflegebedürftig. Da liegen Stolz und
Fluch dicht beieinander. Beinahe unbemerkt bleibt da die Bereifung
in knappen 225/35. Markus ließt sich die Räder
so zusammenstellen, dass keine weiteren Distanzscheiben für
die Montage am GTI notwendig sind. Sie sitzen vielmehr direkt
an den Bremsenscheiben eins der wenigen Themen am Golf, das
serienmäßig geblieben ist-bislang noch, demnächst
soll eine Vierkolben-Bremsanlage unter die Räder kommen.
Markus, da schau doch am besten gleich mal in unser aktuelles
Bremsen Special ab Seite 58! Volles Programm dagegen gibt
es jetzt schon im Bereich Fahrwerk. MG hat bei H&R eines mit
Gewinde Iosgeeist. So tief, wie er den Golf haben wollte,
wäre das anders auch kaum gegangen. Die Federn sind vorn
und hinten ein gutes Stück härter als im Original,
vorn ohne Vorspannwindungen, hinten zusätzlich gestaucht.
Um ein 18-Zoll-Auto richtig in die Knie zu zwingen, sind eben
verschärfte Maßnahmen gefragt. Deshalb musste Markus
an der Hinterachse auch den Federteller umbauen. Der sitzt
nun direkt auf dem Achslenker und ist von unten fixiert.
An der Vorderachse ergab sich zwangsläufig das Freigängigkeitsproblem
an der rechten Antriebswelle. Markus tauschte das Serienrohr
gegen die Vollmaterialwelle von KW mit geringerem Durchmesser.
Trotzdem ließ es sich nicht umgehen, auch noch einen Eingriff
in den Längsträger vorzunehmen: Den Bereich ausschneiden
und ein Halbrohr einschweißen. Jetzt dreht sich die
Schose anschlagfrei. Das heißt, nachdem Markus auch
noch den Stabi gegen die H&R-Version getauscht hatte. Im Ergebnis:
102 Millimeter Tieferlegung. Reden wir vom Blech. Die Haubenverlängerung
kommt beim Golf IV wegen seiner rundlichen Front besonders
gut und flüssig. Für das VW-Zeichen blieb da natürlich
kein Platz mehr, also sind auch alle weiteren Schilder und
Embleme spurlos verschwunden, mit ihnen die Schlösser
an den einzelnen Griffen. Ein größerer Akt kam
mit der Verbreiterung der Kotflügel auf Markus zu: In
die Halbradien der Radausschnitte hat er dazu jeweils fünf
fast zehn Zentimeter tiefe Einschnitte eingebracht, die Radhauskanten
samt dem originalen Stehfalz nach außen gewalzt und
dann in die so entstandenen Lücken von unten Blech dagegengesetzt,
alles verzinnt, gespachtelt und zur Lackierung vorbereitet.
Die Wahl der Farbe stand dabei nicht zur Debatte, schließlich
hatte Markus den Vierer 1999 als Neuwagen im Wunschlack geordert.
Trotzdem musste er natürlich auch hier eins draufsetzen:
Das originale Schwarz erhielt zwei zusätzliche Schichten
Klarlack, was dem Glanz noch mehr Tiefe verleiht. iel Arbeit
steckt auch in der Front des GTI - weil die nämlich weitgehend
original bleiben sollte. Nur ist hinter der Serienstoßstange
ein riesiger Ladeluftkühler lediglich mit gewaltigen
Klimmzügen unterzubringen.
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| Aufgewertet: Tiefschwarze Golf Serienfarbe
mit zwei Lagen Klarlack. |
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Markus hat das hingekriegt, wenn auch eine viel leichter
anzubauende RSFront mehr Luft an die Lamellen lassen würde.
Aber schließlich muss einem das Ganze auch gefallen. Da waren
M3-Look-Spiegel und der V6-Spoiler vergleichsweise einfach
zu montieren. Kommen wir zum Motor. Basis des 99er GTI ist
bekanntlich der 1,8T mit 150 PS. Markus ließ die Maschine
bei Wimmer in Solingen mittels eines 24er KKK Turboladers
deutlicher unter Druck setzen, als dies die Wolfsburger Ingenieure
dem GTI gönnen wollten. Dieser Lader ist für Motoren
bis 2,2 Liter Hubraum ausgelegt und hat im Golf leichtes Spiel.
Bei 1,3 bar Vorverdichtung preßt er soviel Saft aus
dem Vierzylinder, dass am Rad immer noch 261 PS ankommen.
Der bereits angesprochene Ladeluftkühler mit dreifachem
Luftdurchsatz gegenüber dem Original trägt das Seine
dazu bei. Nebenbei setzt die Maschine ein Urgewalt Drehmoment
von 378 Newtonmeter frei.
Damit hat das Seriengetriebe seine liebe Not, doch auch hier
steht Markus vor einer Aufrüstung. Etwas Feintuning ist
im Triebwerk für diesen Leistungsgewinn freilich doch
nötig: polierte Kanäle, Einspritzdüsen aus
dem Audi S4, widerstandsfähigere Kurbelwellen- und Pleuellager,
eine kräftigere Benzinpumpe, ein zusätzlicher Ölkühler.
An den Anfang hat Markus das Luftfiltergehäuse samt Luftmengenmesser
des 225 PS Audi TT gesetzt. Ansonsten beschränkt sich
die optische Aufwertung des Treibsatzes auf die in Wagenfarbe
lackierte Motorabdeckung und das verchromte Ladeluftrohr,
das auf kurzem Weg links am Block vorbei direkt zum Kühler
verläuft. Was der Turbobrenner an Abgasen übrig
lässt, setzt sich durch die 70-Millimeter-Edelstahl-Auspuffanlage
mit Doppelendrohr ab. Setzen wir uns rein. Markus bestellte
seinerzeit so ziemlich alles an Ausstattung, was die Liste
hergab. Darunter schwarzes Leder, sogar die feine Version
vom Lamm, die sich noch weicher anfühlt und auch noch
mehr kostet.
Auch die Recaro-Sitze haben solches abbekommen. Den Serienlenker
verdrängte ein 32er Airbag-Steuer von Raid. Die Pedale
samt Fußstütze stammen aus dem TT Der Schaltknauf
ist beleuchtet. Überhaupt spielt Markus gern mit dem
Licht: So sind in den Fußräumen blaue Neonröhren
untergebracht, die von den Türkontaktschaltern gesteuert
werden und sich während der Fahrt sogar dimmen lassen.
Auch beim Erlöschen fährt diese Beleuchtung wie
die Serien-Innenleuchte sanft runter. Die Displays des Telefons
und des Alpine-Radios mit Navigationssystem sind auf rotes
Nachtdesign umgebaut. Noch so eine Spielerei: Da das Alpine-Navi
-wie übrigens auch das von VW-automatisch beim Einschalten
der Scheinwerfer auf abgedunkelte Hinterleuchtung wechselt,
kann man es, wenn es draußen noch nicht richtig finster
ist, nur schlecht ablesen. Markus setzte deshalb einen Schalter
dazwischen, mit dem er das Display auch in solchen Situationen
einfach am Leuchten halten kann, ohne sich abgelenkt durch
die Menüführung arbeiten zu müssen. Für
diesen Schalter und weitere für die Lightshow und Musik
sowie für den Spannungsanzeiger der Soundanlage hat sich
MG eine Konsole links neben das Lenkrad modelliert-entsprechend
eine auf der Beifahrerseite am Handschuhfachdeckel zur Aufnahme
des Telefons. Daneben weist ein im Leder erhabener Schriftzug
dezent darauf hin, was vor einem abgeht, sobald es losgeht:
Dann verwandelt der Turbo den Golf zur Bestie und die Radsterne
verschmelzen zu goldenen Scheiben.
Text: Klaus Mohrhammer
Fotos: Stephan Repke
Quelle: VW Speed, Ausgabe: 9/2001, Seite 6ff