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Press lounge - Publications - 18 til i die

Was Bryan Adams und Klans Schwendner gemeinsam haben

Es gibt Leute, die wollen ganz einfach nicht "erwachsen" werden. Während andere mit 30 längst begonnen haben, auf den Tod zu sparen, genießen sie ihr Leben in vollen Zügen. Besonders interessant wird's, wenn diese Menschen automobiltechnischen Nachholbedarf haben. Sie erfüllen sich manchen Jugendtraum, von dem sie mit 18 nicht wirklich zu träumen wagten...

Als "Jahrgang '64" mußte sich der Schwendner Klaus schon manch blöden Spruch "reinreichen" lassen - von wegen "jetzt fahren sie zum Sterben auch schon an den Wörthersee..." Das Gründungsmitglied des seit 1985 bestehenden VW und Golf GTI Clubs Oberpfalz ist seit einem Jahr dessen Vorsitzender. Somit ist er gewissermaßen auch "der Chef" des legendären Winterautotreffens, das in diesem Jahr am 4. Januar zum sechsten Mal über die Bühne ging.

Die Karriere des gelernten Maurers begann 1982 mit einem echten 76er GTI, der nach einiger Zeit ein letztes Mal den Besitzer wechselte, um drei Monate später höchst amtlich in die ewigen Jagdgründe einzugehen. Klaus war inzwischen auf einen 85 PS starken Scirocco TS umgestiegen, doch nach einem Jahr mußte es bereits wieder ein GTI sein. Dem 79er folgte ein 88er; dann kam ein 16V ins Haus.

Irgendwann macht jeder einen Fehler. Klaus kaufte sich in den 90ern einen Opel Astra! Mit der Bezeichnung "Montagsauto" hätte man diesem Gefährt geschmeichelt. Nach neun Monaten wandelten die Rüsselsheimer freiwillig, um zu beweisen, daß sie Dienstags auch keine besseren Autos bauen können... Zum Glück hatte Wolfsburg zwischenzeitlich den Golf IV auch als Variant auf den Markt gebracht. Es durfte ein "115-PSPumpe-Düse" sein, den sein Besitzer bis heute in den höchsten Tönen lobt.

Um während der "opeligen" Zeit die Mitgliedschaft im VW-Club nicht zu gefährden, stand bei Schwendners ein 83er GTI als Zweitwagen in der Garage. Der war nun eigentlich überflüssig und konnte verkauft werden. Doch anstatt "Vernunft" walten zu lassen, investierte Klaus den Erlös 1999 in ein vollkommen "naturbelassenes" Golf Cabrio.

Das bordeauxrote Sondermodell "Toscana" hielt zuvor die Gattin des Betreibers eines VW-Autohauses in Erstbesitz. Jeden Winter hatte sie es höchstoffiziell aus dem Verkehr gezogen, wie diverse Stillegungseinträge im Brief belegen. Darüber hinaus schien Pflege nicht so "ihr Ding" gewesen zu sein; das Glanzbild des Lacks ließ doch sehr zu wünschen übrig. Klaus störte das zunächst weniger. Er klemmte sich voller Begeisterung hinter das Steuer seines "Jugendtraums" und genoß die Freude am Fahren unter freiem Himmel.

Im Laufe der nächsten Monate steigerten diverse Umrüstungen besagte Freude weiße Rückleuchten, weiße Blinker, dunkle Frontscheinwerfer, ein emblemloser Grill nebst Grillspoiler, Frontspoiler, AluTankdeckel, Grünkeilwindschutzscheibe, Chromzierleisten, Begrenzungsleuchten, und sogar ein FK-Gewindefahrwerk nebst Domstrebe vorn (wo auch sonst bei einem Golf Cabrio?).

Doch eines Tages kam Otto zu Besuch. "Ja mir san mim Radl dohhh..." trällerte er fröhlich, stellte seinen Drahtesel ab und ließ ihn - vollkommen unbeabsichtigt natürlich - gegen Tür und Seitenteil des Cabrios fallen. Daraus resultierte eine gravierende Verletzung der Außenhaut, für die sich eine Haftpflichtversicherung bereiterklärte aufzukommen.

Als aber der Stadler Stefan - ein Meister der Spritzpistole - das Wort "beilackieren" vernahm, kam Krisenstimmung auf. Sogleich machte er Klaus einen Vorschlag: "Ich lackier' dir das Teil in einer speziell angemixten Flip-Flop-Farbe um..." Obwohl die Versicherungskohle in diesem Zusammenhang nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein sein konnte, fiel es schwer, das Angebot abzulehnen. Nach einer "Totalsprengung" und dem vorsorglichen Weiten der Radhäuser brachte man also die Rohkarosse nach Maxhütte-Haidhof.

98 PS reichen, um bei geöffnetem Verdeck jeglichen Trübsinn aus dem Wagen zu pusten. Bei geöffneter Motorklappe allerdings konnte einem ursprünglich das Grinsen vergehen. Grund genug, das Triebwerk jetzt perfekt auf seinen Wiedereinzug vorzubereiten. Kumpel "Lilli" polierte in erster Linie Alu-Teile, und Schorsch kümmerte sich ums Verchromen. Nacheinander kamen Motorhalter, Lichtmaschine, sämtliche Montageteile und so weiter an die Reihe. Bevor das Cabrio zusammen mit einer kleinen Kiste in Wagenfarbe lackierter Anbauteile - darunter verschiedene Vorratsbehälter - zurückkam, lagen Haubenlifts, Haubenspiegel, Alu-Domcaps und Alu-Ölmeßstab zum Einsatz bereit. Auch die von ATD einzeln angefertigte Auspuffanlage hatte bereits ihren Weg in die Garage gefunden.

Eine Steigerung der Bremsleistung ist nie verkehrt. Hierzu boten sich die vorderen Scheiben und Sättel eines Scirocco 16V an. Darüber hinaus verbesserte Klaus den Kontakt zur Straße mittels Toyo-ProxesReifen der Dimensionen 195/45-14 und 225/45-14, die er auf "16 mm tief eingepreßte", dreiteilige "TH-Lines" von 8 und 9 Zoll Breite ziehen ließ. Schorsch übernahm nun auch das Verchromen der Radschrauben.

Das soll nicht heißen, daß "Lilli" arbeitslos blieb! Bei der Gestaltung des Innenraums führte kein Weg an Aluminium vorbei. Schaltknauf, Fußmatten vorn und hinten, Einstiegsleisten, Handbremshebelgriff, Doorpins, Fensterkurbeln... Chrom "traf" nur noch die Schließmechanismen. Mag sein, daß Puristen ein Windschott zum Einser nicht ganz passend finden; das "gebrushte" 32er Raid trifft ihren Geschmack um so mehr. Auch das nachträglich vernähte Leder über Sitzen, Tür- und Seitenverkleidungen gilt als echtes Plus. Eine Pentagon-Alarmanlage, die gekoppelt ist mit Wegfahrsperre und Zentralverriegelung, schützt die ganze Pracht vor unliebsamen Gästen.

Und das ist gut so! Schließlich schob man in den dafür vorgesehenen Schacht ein JVC-CD-Radio des Typs "KD/S 777 R". Das Balance-Fronstsystem steckt 200 Watt weg. Es steht in direkter Verbindung mit einem TX-300-Verstärker von Blaupunkt. Der TX 600 ist für das von Mac Audio stammende Hecksystem zuständig, das 150 W verträgt. Der "doppelte Boden" im Kofferraum ist als Baßreflexgehäuse ausgelegt, in dem ein Crunch-Woofer die "good Vibrations" erzeugt. Ein Blick hinter die von innen mit Edelstahleinlagen versehene Heckklappe lohnt sich! Der komplett eingelederte HiFi-Ausbau und die mit polierten Alu-Tafeln versehene "B-Seite" der Rückbank, stellen "Halos" ins wohlverdiente Rampenlicht.

Das Auto selbst sieht seltener die Sonne. Ganze 3.500 bis 5.000 Kilometer pro Jahr bewegt Klaus sein Schmuckstück "hochachtungsvoll" über trockene Straßen. Die Freude am Sparen ist für den 38 jährigen nach wie vor etwas, was er allenfalls in seinem "Pumpe-Düse-Vari" auslebt. Mit der Betonung auf: "lebt"!

Helmut Horn

Quelle: VW WOB! 03/2003 S. 152

Basisfahrzeug: VW Golf I Cabrio, Sondermodell "Toscana"
Erstzulassung: 7.7.93
Motor: original
Leistunq: 98 PS
Hubraum: 1,8 l
Motorextras: viel Chrom, polierte AluTeile, Wasserbehälter - Ausgleichsbehälter - Hydraulikbehälter usw. in Wagenfarbe lackiert, Motorhalterung - Lichtmaschine und sämtliche Halterungen verchromt und poliert, Haubenlifts, Haubenspiegel, Alu-Domecaps, Alu-Ölpeilstab
Auspuffanlage: Sonderanfertigung von ATD
Fahrwerk: FK-Gewindefahrwerk, Domstrebe vorn
Bremsanlage: Sättel und Scheiben vorn aus einem Scirocco 16V
Felgen: Schmidt TH Line, dreiteilig mit verchromten Radschrauben, vorn 8 x 14 ET 16, hinten 9x14ET16
Reifen: Toyo Proxes, 195/45-14, hinten 225/45-14
Karosserie: Radläufe geweitet, Frontblinker, Seitenblinker, Begrenzungsleuchten und Rücklichter weiß, schwarze Scheinwerfer, Frontgrill ohne VW-Emblem, Grillspoiler, Frontspoiler, Chromzierleisten, Alu-Tankdeckel, Frontscheibe mit Grünkeil
Lackierung: Eigenmischung, Flip-Flop, Lackiererei Stefan Stadler, MaxhütteHaidhof
Innenraum: Alu-Schaltknauf, Alu-Fußmatten, Alu-Einstiegsleisten, Alu-Handbremshebeigriff, Alu-Fensterkurbeln, Alu-Doorpins, Windschott, 32er Raid mit Airbrush, Ledersitze, Türverkleidungen in Leder, Wegfahrsperre, Zentralverriegelung, Pentagon-Alarmanlage, Schlösser verchromt
Kofferraum: MDF-Ausbau mit Leder verkleidet, Halogenstrahler, Kofferraumdeckel innen und andere Teile des Kofferraums mit Alu und Edelstahl verblendet
HiFi: JVC-CD-Radio „KD/S 777 R", BalanceFrontsystem 200 W mit Blaupunkt-Verstärker "TX 300", Mac-Audio-Hecksystem 150 W mit Blaupunkt-Verstärker "TX 600", 300-Watt-Crunch-Woofer in Baßreflexgehäuse