Press lounge - Publications - Schach matt
Königliches aus dem Königreich Belgien
Mit gewagtem Auftritt aber durchaus "angesagten" Zügen mauserte
sich der einstige Lieferant am Hofe "van Aerschot" zum salonfähigen
Publikumsmagneten. Doch es ist nicht alles Chrom, was am Pick Up glänzt.
Sobald der Caddy aus dem Haus ist, "tanzt" eine Edelratte auf den
Straßen...
Bruno dachte bei der Anschaffung seines Wagens nicht im Traum daran, daß
sein Fahrzeug eines Tages in der WOB! anstatt zum Lastentransport antreten sollte.
Der praktische Nutzwert des Volkswagens stand im Vordergrund. Folglich leisteten
die offene Ladefläche und ein sparsamer Diesel-Motor täglich ihren
Dienst. Eine bevorstehende Generalüberholung des "Arbeitsgefährten",
sowie die enge Verwandtschaft des kleinen Nutzfahrzeugs zum Golf I, brachten
den jungen Mann auf eine Idee: Künftig sollte sein Caddy in einer ganz
anderen Liga spielen.
"Rat-Look" ist in unserem KULTurkreis ebenso angesagt, wie Brunos
Vorstellung von Understatement mit gewaltigem Tiefgang. Der Wunsch nach geringster
Bodenfreiheit und Felgen mit Einpreßtiefen in den Minuswerten führte
dazu, daß der Belgier die Radläufe weitete und zog was das Blech
hielt. Mit dem Schweißgerät ging er gegen "Altersschwäche"
vor und beseitigte darüber hinaus Löcher, die einst am Heck der Aufnahme
von Stoßstangenhaltern dienten. Vorn mußte es ein schmaler, alter
Einser-Stoßfänger sein.
Vor
dem Anbau edler Teile galt es, die Anpassung ebensolcher Türgriffe vorzunehmen.
Auch wollte Bruno der Karosserie eine entsprechende Lackierung gönnen.
Für "Ratten" gibt's da nur eine Wahl: Matt und grau muß
das Lackkleid sein. Beim Anblick dessen, was der Meister der Spritzpistole daraufhin
auftrug, stockt einem der Atem - satter geht's nicht. Lediglich der Mattig-Tropfenspiegel
ist Zeuge der ursprünglichen Wagenfarbe. Ansonsten strahlen rare Stilelemente
dem Betrachter entgegen.
Weiße Blinker in der Chromstoßstange setzen die Zeichen an der
Front. Schwarze Fadenkreuzscheinwerfer kamen - das VWEmblem ging; der Rahmen
des Grills landete beim Galvaniseur. Dank einer speziellen Folie glänzt
das Dach "chromkariert" im Schachbrett-Design. Zierleisten, Fensterstege
und sämtliche Scheibeneinfassungen sind ebenso verchromt wie schwer erhältlich.
Die Rahmen der vom Schloß befreiten Audi-Türgriffe spiegeln dank
Hochglanzpolierung ebenso, wie die Fassung der nostalgischen Leuchte am Heck.
Dort vernebeln einem die von links nach rechts und umgekehrt gewanderten, logischerweise
nun auf dem Kopf stehenden Rückleuchten die Sinne gehörig. Riffelblech
kleidet die Ladefläche standesgemäß aus. Anstelle der hinteren
Ladebordwand sorgt ein "Steel-Horse-Netz" dafür, daß die
Fracht während der Fahrt nicht abhanden kommt. Hinter der Tankklappe verbirgt
sich ein selbstgefräster Alu-Verschluß.
Wenige Zentimeter über dem Asphalt rollt die Caddy-Karosse auf polierten
"SchmidtTH-Lines" - rundum in der Dimension 95/45-14 bereift - über
den Asphalt. Die Felgen messen vorn 7,5 Zoll Breite und eine Einpreßtiefe
von 24 mm. Hinten beträgt der Abstand von Horn zu Horn stolze 8 Zoll, die
Einpreßtiefe jedoch nur 18 mm. Den außergewöhnlichen Tiefgang
machen per Domstrebe gegeneinander abgestützte Gewindefederbeine vorn und
extrem modifizierte Blattfedern hinten möglich.
Bonrath-Haubenlifts halten die Klappe über dem 1,6-Liter-Diesel-Triebwerk,
dem ein poliertes Energycap, ein galvanisierter Ventildeckel und eine verchromte
Zahnriemenabdeckung als Schmuck dienen. Die serienmäßige Auspuffanlage
wurde ihres Endtopfs beraubt, so daß sie bereits vor der Hinterachse endet.
Unser lieber TÜV würde angesichts dieser Eigenmächtigkeit vermutlich
"Pickel bekommen", obwohl sich hier manch exotisches Bauteil perfekt
und paßgenau in das stimmige Gesamtkonzept einfügt.

Was Sache ist, liest Bruno von den Instrumenten im BMW-Cockpit ab. Gesteuert
wird der Caddy mittels eines 30er Sportlenkrads. Die schwarzen Cobra-Vollschalensitze
inklusive der blauen Sabelt-Vierpunktgurte geben dabei sicheren Halt. Kurz vor
Fertigstellung des Innenraums erforderte der Einbau eines Überrollbügels
aus Aluminium noch viel Zeit und extreme Anpassungsarbeiten. Der rustikale Insassenschutz
ist eine komplette Eigenanfertigung, die nicht ansatzweise von einem Hersteller
stammt, der so etwas im wahrsten Sinne des Wortes "von der Stange"
anbietet. Ein polierter Feuerlöscher auf dem Mitteltunnel durfte dazu natürlich
nicht fehlen. Riffelblechfußmatten sowie Alu-Schaltknauf, -Fensterkurbeln
und -Doorpins sind zwar nicht sicherheitsrelevant, dafür aber um so schöner.
Wahre Begeisterungsstürme löste der Caddy während der "VW
Mania" aus. Das Resultat der sechs Monate andauernden Umbauarbeiten fand
nicht nur die uneingeschränkte Anerkennung des bekannt kritischen Fachpublikums
in Belgien. Die Jungs aus Brunos Club kommentieren das Gefährt vielsagend
mit: "No Comment!'.
Text: Andreas Eversmann
Fotos: Frank Main
Quelle: VW WOB 03/2003 S. 34
Basisfahrzeug: VW Caddy
Motor: Diesel
Motorextras: Zahnriemenabdeckung u. Ventildeckel verchromt, polierte Alu-Batterieabdeckung,
Bonrath-Powerlifts
Leistung: 54 PS
Hubraum: 1,6 Liter
Auspuffanlage: Serie ohne Endtopf
Fahrwerk: vorne Gewindefederbeine, hinten geänderte Blattfedern mit Sportstoßdämpfern,
polierte dreiteilige Alu-Domstrebe (Eigenbau)
Felgen: Schmidt "TH-Line", vorn 7,5 x 14 ET 24, hinten 8 x 14 ET 18
Bereifung:. Dunlop "SP Sport 2000", 195/45-14
Karosserie: Radläufe geweitet und gezogen, Stoßstangenaufnahmen zugeschweißt,
Kabinenrückwand u. Ladefläche mit Riffelblech, Chromstoßstange
mit weißen Blinkern, schwarze in.pro. Scheinwerfer mit Fadenkreuz, emblemloser
Grill mit Chromrahmen, Chromzierleisten, Chromfensterstege und -rahmen, Grünkeilfrontscheibe,
karierte Chromdachfolie, polierte Audi-Türgriffe ohne Schloß, Mattig-Tropfenspiegel,
Alu-Tankdeckel (Eigenbau), "SteelHorse-Netz", Rückleuchten links/rechts
u. oben/unten vertauscht, Blinker rot lackiert, polierte Nebelschlußleuchte
Lackierung: matt grau
Innenraum; BMW-E30-Cockpit, polierter Alu-Überrollbügel (Eigenbau),
Cobra-Volischalensitze, Sabelt-Vierpunktgurte, 30er Sportlenkrad, Riffelblechfußmatten,
Alu-Schaltknauf, -Fensterkurbeln u. -Doorpins, polierter Feuerlöscher