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Press lounge - Publications - Yellow Connection

Vier Freunde für ein Halleluja

Eines gleich vorweg: Ohne die helfenden Hände von Andreas Neubauer, Andi Gruber und Thomas Niederreither läge der gelbe Pokaljäger von Johann Schießl wahrscheinlich noch einige Evolutionsstufen zurück. Doch wer einen Corrado 16V mit Gewindefahrwerk und WRD-Mesh-Felgen als Alltagsauto bewegt, weiß schließlich was sich gehört.

Johanns Einstieg ins Autofahrerleben war mit einem Honda CRX wenig spektakulär. Der darauf folgende Polo 6N trug immerhin 14er Alus und kroch in gebückter Haltung über den Asphalt. So gestylt machte das "Cruisen" schon deutlich mehr Spaß. Im September 1999 lief dem Vermessungstechniker dann ein "aufgeblasener" Vierer Golf über den Weg: 1,8er Turbomotor, Recaro-Sportausstattung, Klimaanlage und noch ein paar Gimmicks. Nicht schlecht - als Basis zumindest.

er gebürtige Österreicher dachte nicht im Traum daran, den Jahreswagen serienmäßig über die Straßen zu scheuchen. Schon die Maßnahmen an der Karosserie machen schnell klar, dass der Trend ganz weit weg vom wörtlich genommenen "Volks-Wagen" geht. Immerhin steht die Motorhaube ohne Emblemaussparung und der aus zwei Serienteilen gefertigte Grill (noch) nicht in der Wolfsburger Zubehörliste. Auch bei den Stoßstangen läuft man Gefahr, beim VAG-Händler nur fragende Blicke zu ernten. Vorne wie hinten fehlen ihnen die eingelassenen Stoßleisten, die Löcher des einschraubbaren Abschlepphakens und die Sicken zu den unteren Ansätzen. Während das Frontmodell seines Stegs zwischen Spoiler und mittlerer Luftöffnung beraubt wurde, gab 's rückwärtig noch zwei Aussparungen für die Endrohre der geplanten Auspuffanlage.

Leichtes Nacharbeiten an den Radläufen sollte einem edlen Erscheinungsbild genügen. Während die Entfernung der Schlösser unter Verwendung der hinteren Viertürergriffe ein Kinderspiel war, gestaltete sich das Vorhaben am Heck eher schwierig. Der "Kofferraumöffner" wollte anfangs nicht so recht mit dem Schweißgerät kooperieren und quittierte jeglichen Versuch mit starker Blasenbildung. Als es endlich geschafft war, musste auch das formatfüllende Markenemblem weichen. Glatte Schweller, M-Spiegel und eine dem Bonrath-Einarmwischer angepaßte Wasserkastenabdeckung nahmen mit dem Rest der Karosserie leuchtendes "Vivid Canary" an. Dieser Ford-Serienfarbton macht Lust auf mehr.

Mit "mehr" darf man auch getrost die Maße der Schmidt-Felgen bezeichnen. 9 und 10 x 18 Zoll messen die polierten und mit selbst gedrehten Nabenkappen versehenen VN-Line-Alus. Unterlegt mit je fünf Millimeter starken Distanzscheiben an der Vorder- und zehn Millimeter dicken Spurplatten an der Hinterachse treten die runden Schönheiten ordentlich ans Tageslicht. Dunlop-SP900®-Reifen in den Dimensionen 225/40 und 255/35 füllen die Radhäuser gewaltig. Ein KW-Gewindefahrwerk der Variante zwei "lowered" den vielzitierten Standard.

Standardmäßig ist im blitzenden Motorraum wenig geblieben. Neben der Ziegler-Leistungskur, die immerhin 210 "getüvte" PS mobilisierte, hat der Vorderwagen auch optisch die Nase vorn. Batteriabdeckung aus Spiegelblech anfertigen, Schrauben verchromen, Ventildeckel, Ansaugbrücke und Alugehäuse des Twister-Luftfilters polieren, dreiteilige Wiechers-Domstrebe montieren - so lautete die Anleitung, die Johann strikt befolgte. Da ihn dies noch nicht wirklich forderte, gönnte er sich noch eine 45-prozentige Schaltwegverkürzung sowie eine BN-Pipes-Edelstahlauspuffanlage im Gruppe-A-Format.

Schweift der Blick in die Fahrgastzelle, wirft das untergebrachte Interieur viele Fragen auf. Audi-TT-Armaturenbrett samt Mittelkonsole, Recaro-Sportsitze aus einem RS4, blaue Tachobeleuchtung - wie funktioniert das? Geht nicht, gibt's nicht! Der aus TÜV-Gründen zum Wahldeutschen gewordene Privat-Tuner erledigte alles auf seine Art. Während die Anpassung der Instrumententafel lediglich zwei Lederblenden um die A-Säulen `orderte, gestaltete sich die Adapterkonstruktion der "schnellen Hocker" als nervenaufreibend. Der Frage, ob der originale Kabelbaum mit dem Cockpiteinsatz des Ingolstädter Sportcoupes harmoniert, ging Johann gekonnt aus dem Weg. Er integrierte Golf-IV-Technik in das Gehäuse von Tacho, Drehzahlmesser und Co. - die blaue Beleuchtung blieb dadurch erhalten. Das 30er FK-Lenkrad und TT-Pedale samt Fußstütze sind die letzten visuellen Reize, bevor tiefschwarze Scheibenfolien keine Einblicke mehr zulassen.

Was hier im "Dank Room"schlummert, ist ausschließlich für den (Schall)Druck von hinten verantwortlich. Um den vollen Raum nutzen zu können, flog die Rückbank raus. An ihren Platz trat eine - wie der restliche Ausbau - mit schwarzem Leder überzogene Mehrschichtplatte. Oben drauf sind zwei Solid-Endstufen in Szene gesetzt. Während die "1200.4" das aus zwei 30er MacAudio-Woofern bestehende Sub-Duo befeuert, ist die "600.2" für das schräg nach vorn angebrachte Canton-Dreiwegesystem verantwortlich. Betrachtet man den HiFi-Ausbau durch die geöffnete Kofferraumklappe, wird klar, daß der Golf-Freak an alles gedacht hat. Über einem in die Bodenplatte eingelassenen Staufach ist sogar noch Platz für die wichtigsten Dinge, wenn 's mal wieder auf Pokaljagd geht.
Diese Saison ist fast gelaufen. Schneller als man denkt, steht auch schon 2003 vor der Tür. Zeit genug allerdings, erneut Hand anzulegen. Mit einem größeren Turbolader und einem ebenfalls "erwachseneren" Ladeluftkühler will Johann nächstes Jahr erneut ganz vorn mitmischen.

Basisfahrzeug: Golf IV
Baujahr: 1998
Motor: 1,8 I Turbo, Steuergerätanpassung auf Prüfstand, Twister-Luftfilter, ForgeVentil
Motorextras: Ventildeckel und Ansaugbrücke poliert, viele Schrauben verchromt, Spiegelblechabdeckung über Batterie und Zündspulen, hochglanzpoliertes Luftfiltergehäuse, 45prozentige Schaltwegverkürzung
Leistung: 210 PS bei 0,9 bar Ladedruck
Auspuffanlage: BN-Pipes (Edelstahl) mit zwei ovalen Endrohren, Gruppe-A ab Kat
Fahrwerk: KW-Gewinde "Variante 2", dreiteilige Wiechers-Domstrebe (Alu poliert)
Bremsanlage: Serie
Felgen: Schmidt "VNLine" (hochglanzpoliert) mit selbstgedrehten Nabendeckeln, 9 x 18 ET 26 vorn, 10 x 18 ET 26 hinten
Distanzscheiben: 5 mm vorn, 10 mm hinten
Bereifung: Dunlop SP9000, 225/440/18 vorn, 255/35/18 hinten
Karosserie: Motorhaube und Heckklappe ohne Emblemaussparung, Grill ohne VW-Zeichen, Stoßstangen "gecleant", leicht gezogene Radläufe, Scheinwerferblenden, sämtliche Griffe ohne Schlösser, Schweller ohne Steinschlagschutz, M-Spiegel, Bonrath-Einarmwischer, schwarze Seitenblinker und Rückleuchten
Innenraum: TTArmaturenbrett samt Mittelkonsole, TT Pedale mit Fußstütze, Recaro-RS4-Sportsitze, 30er FK-Lederlenkrad
HiFi: Panasonic-MinidiskRadio, Frontsystem orig. VW, zwei Solid-Endstufen (1200.4 und 600.2), Canton-Dreiwegesystem, zwei 30er MacAudio-Woofer

Text: Tobias Nebl; Fotos: Helmut Horn

Quelle: WOB! 10/2002, S. 154