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Press lounge - Publications - Klein-Wagen

Sag niemals "nie"!

Project Buzz Box

"Ein Golf 1 ist nichts für mich", erklärte Andreas Klein aus Mundelbachtal im Kreis Saarbrücken, bis er sich, vor sieben Jahren zu einer Probefahrt im Einser GTI überreden ließ. Es kam, wie es kommen mußte: Nur wenige Monate später war er selbst Besitzer eines Pirelli-Golfs.

Die Freude am "neuen" Auto währte leider nicht lang. Ein unverschuldeter Crash bescherte Andy mehrere gebrochene Rippen und einen völlig demolierten Golf. An Wiederaufbau war nicht zu denken, also mußte schnellstmöglich Ersatz gefunden werden. Im August 94 hatte die "GTI-lose" Zeit ein Ende; ein "naturbelassener", schwarzer Pirelli stand vor der Tür.

Der Besuch des ersten VW-Treffens brachte dann einen Stein ins Rollen. Andy selbst erzählt in diesem Zusammenhang von seiner Infektion mit dem "Einser Virus" (das hatten wir doch schon mal...). Sportfahrwerk, Alu-Felgen und lackierte Motorteile machten den Anfang, bevor Andy im Winter 96/97 zum großen Schlag ausholte. Er zerlegte sein Auto bis aufs Gerippe, um die Karosse komplett neu aufzubauen. Dabei verschwanden nicht nur sämtliche Schlösser und Embleme, sondern auch Heckwischer, Dachantenne und die Lüftungsschlitze der Motorhaube. Letztere ist dennoch auch von unten spiegelglatt! Der mittig sitzende Einarmwischer und das Wischergestänge entstanden in Eigenarbeit aus Sciroccound Golf-Teilen. Die eng anliegenden Sportspiegel sind ebenso wie der AluTankverschluß optische Anlehnungen an Autos von der Rennstrecke. Sämtliche Lackiervorbereitungen einschließlich Füllern - erledigte Andy selbst, bevor der Golf in VW Schwarzmetallic getaucht wurde. Schwarze Scheinwerfer mit Fadenkreuz, schwarze Blinker und rote Rücklichter unterstreichen den "dunklen Typ". Die "amtlich gestempelte" Heckscheibe ohne Heizdrähte ist eine Einzelanfertigung.

Hinsichtlich der Straßenlage stellt Andy besonders hohe Ansprüche. Sein H& R-Gewindefahrwerke verfügt daher über Dämpfer mit um 50 mm gekürzten Kolbenstangen. Die Federn dazu sind eigentlich für Bergrennen gedacht. Der Karosserieboden schwebt damit ganze 120 mm näher über dem Boden der Realität! Das legte die Verwendung einer verkürzten Ölwanne nahe. Eine geplante Aufrüstung im Motorraum ließt es sinnvoll erscheinen, rundum Stahlflex-Bremsschläuche einzubauen und die Hinterachse des Einsers schon mal mit den Bremsen des GTI 16V auszurüsten. Über den somit vier Bremsscheiben stecken dreiteilige Revolution-H-Line-Felgen in den Maßen 7,5 x 14 ET 25 vorn und 8 x 14 ET 18 hinten. Die Alus wurden in Heimarbeit auf Hochglanz poliert und geben dem Einser den letzten Kick. Auch im Innenraum setzte Andy auf Handarbeit. Er verschloß per Schweißgerät sämtliche Löcher sowie die Gurtpunkte von Rücksitzbank und C-Säule, bevor er die Laufschienen entfernte und starre Sitzhalterungen statt der originalen einschweißte. Zehn Meter hochglanzpolierte Alu-Rohre waren nötig, um den Wiechers-Käfig mit H-Strebe und Flankenschutz eigenen Vorstellungen entsprechend zu erweitern. Nach wochenlangen Anpassung.- und Schweißarbeiten läuft die Zelle inzwischen durch das Armaturenbrett bis auf den Dom im Motorraum; die Gurthalterungen der 6-Punkt Schroth Gurte sind in die Rohre integriert.

Amaturen, Motorraum und Sitz ...die Rennatmosphäre für Andreas
Auf die Heizung wollte Andy künftig verzichten. Unter dem Armaturenbrett existiert lediglich eine Notlüftung. Desweiteren verlaufen Bremsund Kraftstoffleitungen im Innenraum des °N Fahrzeugs. Die Batterie thront dekorativ in der Ersatzradmulde. Abgesehen von den elektrischen Fensterhebern fehlt in Andys Einser jeglicher Luxus. Sportlichkeit steht',' im Vordergrund - und in der ersten Reihe! Zwischen den beiden Vollschalen vom Typ Sparco Pro 2000 ruht ein verchromter Handbremshebel.

Verchromte Pedale und eine entsprechende Lenkradnabe dürfen da nicht fehlen. Absoluter Blickfang und bisher einzigartig ist die selbstgebaute Armaturentafel aus poliertem V2A. Der darin befindliche Stack-Renntacho ist ein kleines Wunderwerk der Technik. Vollelektronisch und frei programmierbar wird er über die Zündung aktiviert und errechnet alIe Daten in Bruchteilen von Sekunden. Über einen Taster am Lenkrad lassen sich alle interessanten Werte abfragen. Auch ein Notschalter, sowie der Schalter zum Starten des Motors sind in der Armaturentafel untergebracht. Nicht weniger beeindruckend ist das " rennmäßige" Schaltgestänge, das Freund Tobias in wochenlanger Arbeit gedreht, gefräst und angepaßt hat. Falls die Bewunderung für den ungewöhnlichen Einser das übliche Maß einmal übersteigen sollte, wird eine Clifford Alarmanlage aktiv. Mit der Montage einer dreiteiligen, verstellbaren Alu-Domstrebe, selbstgebauter Carbon Verkleidungen an Tür- und Seitenteilen und eines Ladeschutzes aus V2A im Kofferraum beendete Andy seine Innenraummodifikationen.

Ursprünglich sollte statt des GTIMotors ein G60 zum Einsatz kommen. Nach langem Hin und Her und nicht zuletzt der Optik wegen, fiel die Wahl dann aber doch auf einen 16V Bevor das neue "Herz" jedoch eingebaut werden konnte, gab es noch einiges zu tun. Zuerst mußten die Löcher von Heizung, Kabelbaum und Lüfterausschnitt geschlossen, sowie die Spritzwand entfernt werden. Batteriehalter und Ausgleichsbehälter samt Befestigung entfielen ebenfalls. Nachdem der Motorraum vorbereitet und in Wagenfarbe lackiert war, zerlegte Andy den 16-Ventiler in seine Einzelteile. Den Unterbau lackierte er in Wagenfarbe, Getriebe, Bremskraftverstärker und fast alle Anbauteile polierte er zu Hause im Keller auf Hochglanz. Scheibenwischermotor- und Gestänge, Haubenschloß, Haubenscharniere- und Lifts, die Sportdomlager und sämtliche Schrauben nahmen im Chrombad dauerhaften Glanz an. Brems- und Kraftstoffleitungen ersetzte Andy zum Teil durch Stahlflexschläuche und -leitungen, während er sich bemühte, möglichst viele Kabel außerhalb des Sichtbereichs zu verlegen.

Diverse Motoranbauteile wie Kaltstartdüse und Leerlaufstabilisierung verschwanden ebenso ersatzlos wie der Ausgleichsbehälter vom Kühler. Vor dem Kühler plazierte Andy einen Rennsportlüfter mit selbstgebauten Haltern. Auch die Domstrebe im Motorraum ist dreiteilig, verstellbar und selbstverständlich hochglanzpoliert. Damit's aber nicht nur optisch, sondern auch akustisch "voll abgeht", installierte Andy einen Hartmann Fächerkrümmer und verband ihn mittels eines selbstgebauten Abgasrohrs mit dem Gruppe A Endschalldämpfer. Das wieder eher der Optik dienliche Endrohr im "S-Look" ist ebenfalls Marke Eigenbau.Wen wundert's, daß Andy bei VW-Treffen konstant vordere Plätze belegt? So mußte auch er teilweise ziemlich unschöne Erfahrungen mit den leidigen Themen Pokaljagd, Neid und "Spezialwirtschaft" machen. Dumme Sprüche aber kratzen ihn schon lang nicht mehr. Das soll keineswegs heißen, daß er den Winter tatenlos verstreichen läßt!

Text: Sabine Stotz-Salger
Fotos: Helmut Horn

Quelle: VW WOB!, Ausgabe: 2/2001, Seite 170ff