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Press lounge - Publications - Love is blue

Blue Yeti und der Bonsai Passat

love is blue

Unter WOB!-Lesern gibt es Lebensgemeinschaften, die nicht nur Tisch und Bett, sondern auch Werkzeug und Garage teilen. Annemarie und Maik schrauben zwar miteinander, doch jeder werkelt am seinem Auto. Zu Treffen reisen sie oft im "blauen Doppel" an.

Im Frühjahr 1994 kaufte sich Annemarie auf Anraten ihres Freundes Maik und trotz anfänglicher Skepsis ihrer Opelfahrenden Eltern einen VW Polo Steilheck. Ursprünglich sollte der Wagen weitgehend original bleiben - bis zum ersten Treffenbesuch! Bald war der ehemals so brave VW kaum wiederzuerkennen. Leicht abgedunkelte Scheinwerfer und ein Derby-Grill, den die Schrauberin in mühseliger Handarbeit vom VW-Emblem befreit hatte, brachten in Verbindung mit einem lackierten Grillspoiler das erste dezente Face-Lifting. Die nächsten sportlichen Zutaten waren der aus Scirocco-Teilen selbstgebaute Einarmwischer, Sportspiegel, König-Sitze, blaue H-Gurte, das 30er Momo sowie ein 60/40er Koni-Fahrwerk. Dazu machte eine halbe Remus-Gruppe-Auspuffanlage die "Musik". So sah der Polo schon ziemlich "zornig" aus.

1999 stand eine Armaturenbrett-Transplantation aus dem Nachfolgemodell auf dem Plan, das gleich eine Golf-II-Instrumenteneinheit erhielt. Weiße Leuchtdioden ersetzen darin die vormals bunten Kontrollleuchten. Nach und nach stattete Annemarie ihren zum Zweisitzer mutierten Polo auch mit Alu-Pedalen, Alu-Spiegelverstellknöpfen, Zusatzinstrumenten, einer Edelstahlschaltkulisse und einem beleuchteten Schaltknauf aus. Beide Türverriegelungsknöpfe wichen den Leuchtdioden einer Alarmanlage. Chromolux-Folien an den Scheiben bringen die Fußraumbeleuchtung schon bei einsetzender Dämmerung gut zur Geltung. Zwei Alu-Domstreben sorgen für höhere Verwindungssteifigkeit.

Inzwischen verhalf Maik dem zuverlässigen Hydrostößelmotor mit einer 280 Grad-Nockenwelle im geplanten Zylinderkopf sowie einem offenen K&N-Luftfilter etwas auf die Sprünge. Ein Alu-Ventildeckel, stahlummantelte Wasserschläuche, Haubenspiegel, polierte Powerlifts, eine selbstgefertigte Riffelblech-Halterung für die Ausgleichsbehälter, ein verchromtes Lüfterblech und die mitsamt Kabelführung in Chrom gehaltene Zündspulenhülle, machen den Motorraum auch optisch zu einem Leckerbissen. Das Tüpfelchen auf dem "i" sind ein Airbrush auf dem Wischwasserbehälter (vom Polo III) und die mit Airbrush versehene Wasserfangkastenabdeckung aus Plexiglas mit Kunststoffelementen in Riffelblechoptik. Bei Nacht setzt ein Strobo-Blitzer den Motor ins rechte Licht.

Runde Sache mit Golf I Radläufen...
Im Winter 99/2000 plante Annemarie einen Karosserieumbau, um die 14-Zoll TH-Line-Alus vom Jetta ihres Lebensgefährten "Blue Yeti" fahren zu können. Dazu trennte Maik alle vier Radläufe von der Karosserie ab und ersetzte sie durch gebördelte Golf-I-Radläufe, die allerdings erst auf Polo-II-Maß gebracht werden mußten. Hinten erforderte diese Maßnahme eine komplette Neugestaltung der inneren Radhäuser. Weiter ging es mit dem Verschluß verzichtbarer Karosserieöffnungen. Neben dem zugeschweißten Antennenloch im Kotflügel sind Arbeiten wie das Entfernen des zweiten Wischerlochs vorn, des Heckwischers, des Heckklappenschlosses sowie aller Schriftzuglöcher ja fast obligatorisch. Darüber hinaus erfolgte hinten eine versenkte Kennzeichenmontage in einer verkleinerten Polo-III-Nummernschildaussparung. Das neuere Modell steuerte auch die Stoßstangen bei. Stahlträger und Aufnahmen stammen jedoch noch vom Zweier Polo. Trotz der großen Karosserieähnlichkeiten beider Baureihen zog der Stoßstangenumbau einigen Anpassungsaufwand (Verlängerungen und Einkürzungen der Abdeckung) nach sich. Die in den Stoßfängern befindlichen Sicken "entfielen" dabei. Da sich eine Komplettlackierung ohnehin nicht vermeiden ließ, kam es auf Schweißarbeiten an den Türen zum Zweck des Einbaus von Audi-Türgriffen auch nicht mehr an. Danach schritt Klinckmann in Picher zur Tat. Seinem handwerklichen Können ist es zu verdanken, daß sich Annemaries Polo mit seinem leicht modifizierten VW-Blau nicht neben der schimmernden Effektlackierung von Maiks Jetta zu verstecken braucht. Man kann also durchaus mit Unilacken glücklich werden - gerade wenn sie blau sind...

Bis zum Saisonbeginn blieb gerade noch genügend Zeit, den Heckumbau inklusive HiFi-Anlage zu realisieren. Der Raum unter der ehemaligen Rücksitzbank bot nach genauen Berechnungen das optimale Volumen für zwei 25er MTX-Bässe vom Typ Thunder 2000, deren Membrane von Neon-Leuchtringen umgeben sind. In die mit blauem Akustikvlies bespannte Platte, die von den Sitzen bis zur Heckklappe reicht, befinden sich außerdem zwei Baßmitteltöner sowie zwei MTX-Verstärker. Stoßdämpferdome und Seitenteile mußten sich in puncto Ver-(Kleidung) anpassen. In dieTürpaneele ist ein Zweiwegesystem von Emphaser (zwei Höhen, vier 16er Bässe) integriert. Kernstück der ganzen "Mucke" ist eine Clarion-Radio-Wechsler-Kombination.

Elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und eine elektrische Heckklappenentriegelung gehören heute zum guten Ton. Besonders cool ist es allerdings, wenn man die Scheinwerfer über den Handsender der Alarmanlage bedienen kann. Clifford macht's möglich und setzt mit dem "gefürchteten" Sprachmodul sogar noch eins drauf. Den krönenden Abschluß der Arbeiten bildeten jedoch weitere Airbrush-Motive auf Türlautsprechergittern Armaturen, Tankklappe und Kondensatoren. Motorhaube und Heckklappe standen gar beidseitig im Sprühnebel!

Diese Kunstwerke zeugen - wie auch sämtliche Sattlerarbeiten - von Annemaries bemerkenswerter Geschicklichkeit. Die Sandstrahlverzierungen in den hinteren Scheiben stammen ebenfalls von ihr, während Maik in erster Linie für Blecharbeiten und die Mechanik zuständig ist. Zur neuen Saison gibt's ein abermals geändertes Outfit. Annemarie ist derzeit wieder mit Nadel und Faden "zugange", und Maik poliert noch ein "bißchen"...

Text und Fotos: Martin Henze

Quelle: VW WOB!, Ausgabe: 6/2001, Seite 48ff